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Willkommen auf unserer Tagebuchseite 01.05.2012 - Diakon Ludwig Stauner, Aschaffenburg Existentielle Reflexionen am Untermain
Vor einigen Jahren trat eine Gruppe befreundeter Männer mit einen Wunsch an mich heran; Sie suchten einen Raum, in dem sie als Gruppe Glaubens- und Sinnfragen im Zusammenhang mit ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihrem Engagement bedenken konnten. Die Berufe und Lebenslagen waren sehr unterschiedlich: Vom Arbeitslosen bis zum Unternehmer. Ich bot einen Besprechungsraum im Aschaffenburger Martinushaus an. Vor dem ersten Zusammentreffen einigten wir uns auf den Ablauf und auf eine Methode. Beides hat sich seither durchgehalten: Jeder aus der Runde hält einen persönlichen Kurzvortrag, der die anderen zu einer Stellungnahme herausfordern soll. Als Betriebsseelsorger wähle ich jedesmal ein Eröffnungs- und Schlusslied aus, das mit Gitarre begleitet wird. Zum Abschluss beten wir gemeinsam ein "Vater unser". Beim Treffen von "Glauben und Leben" im April legte einer aus der Runde die Impulsfrage vor: "Wer bin ich?". Jeder der sieben Teilnehmer war eingeladen, fünf Minuten in Stille darüber nachzudenken. Dann wurde jeder aufgefordert, das Ergebnis seiner Besinnung zu erläutern. Es folgte eine Lektüre aus dem Evangelischen Erwachsenenkatechismus, aus dem jeder einen Abschnitt vorlas. Wie von selbst ergaben sich erneut persönliche Stellungnahmen und Ergänzungen. Ein Teilnehmer bekannte: "Noch nie hab` ich in meinem Leben so klar über die Frage "Wer bin ich?" nachgedacht!" Überdeutlich konnte ich erkennen, dass jede Person einerseits von ihrer menschlichen Entwicklung und andererseits von der lebensbegleitenden Frage nach dem Wesentlichen, dem Tragfähigen, dem Absoluten, von Gott, sprach; und das war genau so vor und nach der Lektüre aus dem Katechismus. Dazu noch zum Wohlfühlen: Vor Beginn wird der Tisch gedeckt mit Getränken und Knabbergebäck. In der Mitte leuchtet eine Tischkerze. Manchmal blitzt für mich eine Abendmahlsstimmung auf. Ich wünsche, dass das Feuer und der Geist der Reflexionsrunde in unseren Alltag wirkt. Denn tatsächlich haben wir - die Männer und wenigen Frauen der Gruppe - uns zwischen den Gruppentreffen in der Stadt getroffen bei Aktionen für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Kunst und Kultur. 11.02.2010 - Peter Hartlaub, Schweinfurt Die Rhön steht auf – die Rhön steht zusammen !! „Die Füße waren kalt auf dem Marktplatz, aber die Herzen waren warm durch die Solidarität!“ Mit diesen Worten beschrieb der katholische Dekan von Bad Nesutadt, Pfarrer Bernold Rauch das, was sich am Mittwoch in Bad Neustadt abspielte. Bei klirrender Kälte waren mehr als 8.000 Menschen zusammen gekommen, um gemeinsam für die Arbeitsplätze bei SIEMENS in Bad Neustadt einzustehen. 840 Arbeitsplätze will der Konzern dort streichen – alleine um den Gewinn, der im ersten Vierteljahr des Geschäftsjahres schon 1,5 Milliarden € (1.500.000.000 €) betrug, noch weiter zu steigern. Der Verlust von 840 Arbeitsplätzen bei SIEMENS und etwa genau so vielen nachgelagerten Arbeitsplätzen in der Region bedeutet für die ganze Rhön einen schweren Schlag. Die „Entvölkerung“ der Rhön wird sich noch weiter beschleunigen, wenn junge Menschen auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit die Region verlassen müssen.Solidarität macht die Herzen warm – diese lebens-notwendige Erfahrung durfte auch ich gestern wieder spüren und als inneren Schatz mit nach Hause nehmen. Ein großes Bündnis hatte gemeinsam zur Kundgebung mobilisiert: IG Metall und Betriebsrat, Landrat und Bürgermeister, örtliche Gewerbetreibende und nicht zuletzt die beiden Kirchen. Und viele, viele kamen: aus Betrieben von Ebern bis Schweinfurt, aus der hessischen und thüringischen Rhön, aus den Pfarrgemeinden, Kinder aus den Kindergärten ebenso wie Werksrentner von SIEMENS, die zum Teil mit Tränen in den Augen an der Kundgebung teilnahmen. Was für ein toller Anblick, vor der Bühne jede Menge Seelsorgerinnen und Seelsorger beider Kirchen zu sehen. Klasse der Teestand von BDKJ, Kreisjugendring und Regionalstelle der Kirchlichen Jugendarbeit. Und die Atmosphäre: entschlossen, aber nicht verbissen; wütend, aber nicht verletzend; in Angst um die Arbeitsplätze, aber voller Hoffnung, gemeinsam das Ziel erreichen zu können: keine Verlagerungen aus Bad Neustadt und den Erhalt beider Werksstandorte in der Stadt und in Brendlorenzen.Beeindruckend auch das ökumenische Gebet im Anschluss an die Kundgebung: Hunderte waren von der Kundgebung in die Kirche Mariä Himmelfahrt gekommen, um ihre Angst, ihre Sorgen und ihre Hoffnungen ins Gebet zu nehmen. Ein Raum der Stille entstand, der die Verbundenheit mit den SIEMENS-Beschäftigten noch weiter vertiefte. In einer Klagemauer aus Ziegelsteinen fanden die Bitten und guten Wünsche für die SIEMENS-Beschäftigten und die ganze Region einen Ort in der hoffenden Gewissheit, dass Gott die Klage seines Volkes hört und ihm beisteht. Deutliche Worte fand auch der evangelische Dekan von Bad Neustadt, Dr. Haußmann, der in Anlehnung an Luthers Auslegung des siebten Gebotes den geplanten Stellenabbau als Diebstahl bezeichnete. Denn das siebte Gebot verpflichte die Menschen dazu, dass sie dem Nächsten „sein Gut und Nahrung bessern und behüten helfen.“ SIEMENS dagegen raube den Menschen in Bad Neustadt ihre Lebensgrundlage.Wieder einmal durfte ich spüren, dass Solidarität ein Geschenk ist, das diejenigen stärkt, die solidarisch sind. Dafür danke ich allen, die dabei waren, vor allem aber auch den engagierten kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Rhön.„Die Füße waren kalt, aber die Herzen waren warm durch die Solidarität.“ Februar 2010 - Klaus Köhler. Würzburg Eröffnung der Tarifrunde im öffentlichen Dienst Ich stehe am Vierröhrenbrunnen mit meiner Kollegin Evelyn Bausch. Wir sind eine "Solidaritätsabordnung" der KAB und der Betriebsseelsorge zu dem Warnstreik im öffentlichen Dienst. Plötzlich komm mein Freund Gerald Burkard, der zuständige Gewerkschaftssekretär von ver.di auf mich zu, und bittet um ein Grußwort. Was soll ich sagen. Ich weiß es sind 5 % Prozent gefordert. Wie setzt sich diese Forderngen zusammen. Die nächsten Minuten sind ein wenig hektisch. Da ich der letzte Redner bin habe ich beschlossen es kurz und knackig zu machen. Die gleiche Gier und "Zockerei," wie vor der großen Krise. Das Verhalten der Finanzwirtschaft hat sich kein bißchen gändert. Was sagt man Gedankenfetzen und Erinnerung an den letzten Streik im öffentlichen Dienst geistern durch meinen Kopf. Meine Schlagworte Solidarität, Lobby und gute Arbeit - gutes Geld kommen gut an. Man spürt immer wieder, dass Gemeinschaft stärkend und motivierend ist. 10. Oktober 2009 - Ludwig Stauner, Aschaffenburg Kundgebung vor dem Werkstor- Aschaffenburger Schlaglichter aus der Betriebsseelorge - Der Aschaffenburger Lenkradhersteller Petri wurde 2001 vom japanischen Konzern Takata in Tokio übernommen. Eine dritte Entlassungswelle wird Anfang August 2009 seit dem Übernahmedatum angekündigt. Diesmal scheint es das Mark der Produktion zu betreffen, denn Gießerei, große Produktionsreihen und selbst ein Teil der Buchhaltung sollen nach Rumänien verlagert werden. Unter dem Motto der IG Metall „Eine Region steht auf - Takata kämpft“ findet im August eine erste Kundgebung auf dem Stiftsplatz statt, Ende September an einem Samstag ein längerer Marsch von Schönbusch bis auf den Theaterplatz. KAB-Mitglieder beteiligen sich, sammeln Unterschriften zum Erhalt von 335 Arbeitsplätzen. Die ersten Zeichen der Solidarität werden gesetzt. Die weiteren Planungsschritte mit gewünschter öffentlicher Beteiligung werden vom IG Metall-Bevollmächtigen zeitnah an die Betriebsseelsorge und an den KAB-Sekretär weitergegeben. Am 20. Oktober werde ich am Morgen von einem Betriebsrat zu Hause angerufen: Die Arbeiter stehen vor dem Werkstor. Die ganze Frühschicht blockiert seit Stunden die beiden Einfahrten. Schau doch mal vorbei! Polizei ist bereits da. Ich fahre hin und nehme zwei Menschentrauben wahr. Über 20 Lastzüge sind blockiert und müssen warten. Es heißt: Den Leuten ist das Taktieren der Geschäftsleitung bei den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft auf den Geist gegangen. - In den oberen Etagen soll noch verhandelt werden. Zwei Stahlfässer mit brennenden Holzscheiten machen die Einfahrt unmöglich, doch sie wärmen beim Stehen und Warten. Eine Juristin wird geschickt, die nachfragt: Wer ist verantwortlich? Ist das ein Streik? - Keiner kann etwas sagen. Der Polizeichef versucht zu erreichen, dass die brennenden Fässer etwas auseinander ge-schoben werden. Es müsse eine Einfahrt frei gemacht werden. Die spontane Kundgebung ist nicht angemeldet. Keiner will den Gabelstapler fahren, um die brennenden Tonnen etwas weg zu schieben. Erst nach geduldigen Ermahnungen des Gewerkschaftsvertreters und des Polizeichefs findet sich ein Räumdienst. - Die Beschäftigten harren weiter im Freien aus, viele Werker, wenige Angestellte. - Einige Leitungspersonen versuchen Last-züge zu beladen. Es heißt, dass die Polo-Produktionsreihen in Wolfsburg bereits am Vormittag still stehen. - Die Verhandlungen über ein Eckpunktepapier zur Beschäftigungssicherung oder zum moderaten Personalabbau werden am Nachmittag nun doch wieder aufgenommen. Ich komme nach einer Pause wieder und auch die Leute der Spätschicht harren vor den Toren aus. Die Leute wollen warten bis es ein Ergebnis gibt. Ich stehe stundenlang mit meist Männern zusammen. Eine Frau sagt: Meinetwegen sollen die da oben ihr hohes Gehalt behalten oder eine zweite Limousine bekommen. Ich möchte nur einfach leben und für meine Familie sorgen können. - Das Gespenst der Verlagerung geht weiter um. - Viele meinen, es könne nur um eine Verschiebung des Abbaus, um eine Abfederung gehen. - Endlich kommen die Meldungen um 18.30 Uhr und um 19.45 Uhr: Es konnte ein Eckpunktepapier von beiden Seiten unterschrieben werden. Es gab ein Telefonat mit Japan. Ergebnisse: Einige Reihen und Maschinen bleiben länger als von der Geschäfts-leitung geplant in Aschaffenburg, die Anzahl der geretteten Arbeitsplätze wird beziffert, die Altersteilzeit soll verstärkt für die betroffenen Altersgruppen angeboten werden. Weitere Errungenschaften wurden vom Betriebsratsvorsitzenden vor dem Tor erläutert. Die schweigenden Männer, die ehrlichen Worte der Frau, mein persönliches dabei Sein zwischen brennenden Fässern und entschiedenen Herzen. Nach dem Verhandlungsmarathon hieß es: Ohne die Leute vor dem Werkstor wäre heute nicht weiter verhandelt worden, und es hätte wohl auch kein unterschriebenes Eckpunktepapier gegeben.
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