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Bistum Würzburg  > Seelsorge  > Kooperative Pastoral

Kooperative Pastoral -
Zauberwort oder echte Lösungsperspektive?

In Bischofspapieren und diözesanen Pastoral- und Personalplänen, in Aufsätzen von Fachtheologen und in diversen kirchlichen Gremien ist ständig von einer "kooperativen" Pastoral die Rede. Dies klingt wie ein Zauberwort, das alle kirchlichen Probleme der Gegenwart zu lösen scheint. Es beschäftigt ganze diözesane Planungsstäbe und produziert einen riesigen Papierberg. Die einen benutzen es wie eine Keule zur Durchsetzung bestimmter Ziele, andere verschließen davor ihre Ohren, um nichts verändern zu müssen. Was steckt dahinter?

Was kooperative Pastoral meint

Die meisten denken beim Stichwort "Kooperative Pastoral" an nichts anderes als an ein Notprogramm, um den Priestermangel aufzufangen. Dieser mag gewiß den Anstoß zu entsprechenden Überlegungen gegeben haben. Doch wenn wirklich Priestermangel herrscht - aufgrund unseres bisherigen, gewohnten Gemeindelebens ist dies so - ist er auf diesem Wege nicht zu lösen. Ebenso fatal wäre es, das Schlagwort "Kooperative Pastoral" als Verschleierungstaktik angesichts der vielfältigen Probleme unseres kirchlichen Personaleinsatzes zu benutzen, der aufgrund vieler neuer und differenzierter Aufgaben der Kirche immens gewachsen ist. Kooperation meint die Zusammenarbeit mehrerer oder aller an einer Sache Beteiligter, um leichter das gemeinsame Ziel zu erreichen. Kooperative Pastoral ist folglich ein bestimmter Weg der Seelsorge - vermutlich der Weg, auf dem heute überhaupt nur Seelsorge erfolgen kann und muß.

Dafür gibt es Gründe

Angesichts der so verschiedenen Situationen, in der heute die Menschen leben, angesichts der vielfältigen Probleme, die sich uns heute als Christen stellen, kann pastorale Arbeit nicht mehr nur in einer Hand liegen. Vor der Erkenntnis, daß zumeist mehrere Menschen eine schwierige Aufgabe leichter lösen können als ein einzelner, braucht die Kirche nicht Halt zu machen. Dies entspricht auch der christlichen Erfahrung von ihren allerersten Anfängen an (vgl. Röm 12 oder 1 Kor 12). Daß Gott einzelnen Menschen je verschiedene Gaben schenkt für die anderen, für die Gemeinde, ist endlich wiederentdeckt worden und sogar in das kirchliche Recht eingegangen (can. 208 CIC). Durch die Verwirklichung der je eigenen Begabung nehmen die einzelnen Christen ihre Berufung zum gemeinsamen Priestertum wahr. Zusammen mit dem besonderen Priestertum realisieren sie den priesterlichen Dienst der Kirche in der Welt.

Die seelsorglichen Räume sind heute durch die wirtschaftliche, berufliche und geographische Mobilität und durch die technischen Kommunikationsmöglichkeiten der Menschen größer und weiter geworden. Menschen eines größeren Raumes sehen sich den gleichen Fragen gegenüber und suchen nach gemeinsamen Antworten. Auch wenn es ein gravierender Fehler wäre, deshalb nur noch Megapfarreien zu bilden und die unterschiedliche Identität der bisherigen Kirchengemeinden aufzulösen, erfordern diese erweiterten Seelsorgsräume eine Pastoral, die sich in sachlicher wie personeller Kooperation die anstehenden Aufgaben gemeindeübergreifend zu eigen macht.

Offensichtlich hat Gott den Menschen in sehr vielfältiger Art und Gestalt gewollt. Gleichzeitig ist die Kirche Jesu Christi eine Bewegung, in der sein Geist die verschiedenen Menschen zu einer Einheit zusammenbringt. Eine kooperative Pastoral bietet die Basis für die Einheit der Gläubigen in der Kirche, wo der eine nicht nur den anderen in seiner Andersartigkeit toleriert, sondern beide - aufeinander bezogen - aktiv werden. Zugleich verhilft sie der Kirche dazu, einladendes Modell der vielbeschworenen Einheit aller Menschen zu sein und zu werden.

Was eine kooperative Pastoral verlangt

Der Horizont, innerhalb dessen eine kooperative Pastoral betrieben wird, ist nicht der kirchliche Binnenraum, sondern das Reich Gottes, das mehr Menschen als die nur kirchlichen umfaßt. Diese Grundeinsicht ist bei allen Mitgliedern einer Kerngemeinde unabdingbar.

Eine solche kooperative Pastoral erfordert von jedem einzelnen Christen die Bereitschaft, sich in seiner Gemeinde mit den eigenen Möglichkeiten einzubringen und mit den anderen ein gemeinsames pastorales Ziel zu verfolgen.

Eine kooperative Pastoral fordert auch einen kooperativen Leitungsstil in der Gemeinde. "Leitung" versteht sich - auch auf dem Hintergrund der in der kirchlichen Umwelt gegebenen Strukturen - als die Aufgabe, Bedingungen dafür zu schaffen, daß die einzelnen ihre Möglichkeiten und Ideen für einen Weg zu einem gemeinsamen Ziel einbringen können.

Kooperative Pastoral bedarf einer bestimmten Kultur des Umgangs miteinander :Es muß richtig und umfassend informiert werden; es braucht eine gegenseitige Akzeptanz von Leitung und Mitarbeitern/innen. Die Partizipation der Mitarbeiter/innen an Entscheidungen für das gemeinsamen Ziel muß gewünscht sein und ermöglicht werden.

Es müssen die pastoralen Ziele eines Seelsorgeraumes geklärt und ein Personalplan erstellt werden, der eine Kooperation bei aller Verschiedenheit der Menschen einigermaßen gewährleistet.

Es bedarf einer deutlichen Festlegung der jeweiligen Rollen und Aufgaben der Menschen, die sich in einer Gemeinde ehrenamtlich oder beruflich engagieren.

Um Pastoral kooperativ betreiben zu können, bedarf es Weiterbildung und zumindest gelegentlich der Beratung von außen (Stichwort: Gemeindeberatung/Pastoralsupervision!).

Kooperative Pastoral braucht vorbildliche Modelle. Diese sollten vor allem auf der Ebene des Dekanates und der Diözesanleitung entdeckt und entwickelt werden.

Die pastorale Situation der letzten Jahre ist nicht gerade sehr erfreulich, jene der kommenden wird es vermutlich auch nicht sein, selbst wenn die vielfältigen Chancen der Seelsorge nicht zu übersehen sind, die sich auch und gerade heute bieten. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß es in der bisherigen Form nicht weitergehen wird. So müssen unter dem Stichwort "Kooperative Seelsorge" neue Wege gesucht werden. Das Gesicht der Kirche und der Gemeinden wird sich verändern. Das mag mitunter Angst hervorrufen Doch gilt nicht das Wort Gottes beim Propheten Jeremia: "Ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch Jahwes - Pläne des Heils und nicht des Unheils, denn ich will euch Zukunft und Hoffnung geben." (Jer 29,11)

Die Broschüre:

"Verwiklichung Kooperativer Pastoral in der Diözese Würzburg" (2. veränderte Auflage/2003)

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