Altes Kloster mit Leben erfüllen
Das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach im Taubertal bei Wertheim
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| Blick über die Klostermauer: Einsam und in viel Grün gebettet liegt das alte Zisterzienserkloster Bronnbach im Taubertal, unweit der Zweiflüssestadt Wertheim. |
| Ein wahres Schmuckstück alter Klosterbaukunst befindet sich heute jenseits von Landes- und Bistumsgrenzen. Das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach lockt auch zahllose Ausflügler ins Taubertal. Ein Besuch im Jahr 2003 lohnt sich übrigens besonders: Denn das Kloster feiert heuer 850-jähriges Bestehen.Legenden ranken sich um die Gründung der Zisterzienserabtei: Eine davon erzählt, dass der heilige Bernhard von Clairvaux auf seiner Pilgerreise bei Wertheim nach einer Wildnis im Taubertal gezeigt und die Gründung eines Klosters vorausgesagt haben soll. Nur wenig später sahen fränkische Edelleute bei ihrer Suche nach einem geeigneten Flecken an einem stillen Ort im Taubergrund drei weiße Lerchen aufsteigen und erbauten an eben dieser Stelle ihr Kloster.
Schriftlich bestätigt ist die Gründung durch eine Urkunde des Papstes Eugen III. von 1153, der schon wenig später rege Bautätigkeit folgte. Mit dem Auf und Ab der Geschichte wechselten auch in Bronnbach Zeiten des Wohlstands mit tiefen Krisen. Die letzte Blütezeit erlebte das Kloster im 18. Jahrhundert – prächtige Barockbauten zeugen eindrucksvoll von jener Zeit. Mit der Säkularisation endete schließlich das klösterliche Leben vorläufig und Bronnbach ging in den Besitz der Fürstenfamilie Löwenstein-Wertheim-Rosenberg über. 1986 erwarb dann der Kreis Main-Tauber die weitläufige Anlage und sanierte sie mit großem Engagement.
Noch heute vermittelt das romantisch gelegene Kloster ein beredtes Bild zisterziensischen Klosterlebens und dokumentiert den Lauf der Geschichte. Von Wertheim kommend fallen dem Besucher zunächst die ausgedehnten Wirtschaftsgebäude auf; dann großzügige barocke Gartenanlagen mit Putten und Pavillons, die so gar nicht ins Bild des mittelalterlichen Zisterzienserklosters passen wollen. Erst dahinter eröffnet sich der Blick auf die Abtei, wo sich schlicht und eindrucksvoll die romanische Abteikirche mit dem typischen Dachreiter erhebt. Direkt angrenzend die efeubewachsene Front des Prälatenbaus, hinter dem sich das Herzstück des Klosters befindet: Der ursprünglich romanische Kreuzgang wurde noch im 13. Jahrhundert durch gotische Formen ersetzt und bis ins 16. Jahrhundert teilweise umgewandelt.
Um den Kreuzgang herum sind Klausurbauten und Kirche gruppiert: Während im Norden die Abteikirche aufsteigt, wird die Westseite vom Konversenbau eingefasst. Mit schwindender Laienbruderzahl begann man um 1600, diesen Flügel zur Prälatur mit großzügigen Wohn- und Verwaltungsräumen umzubauen. Im östlichen Teil schließt sich der Konventbau an, der den beeindruckenden Kapitelsaal mit monolithischen Säulen, Kreuzgewölbe und herrlichen Zwillingsfenstern birgt. Darüber lag bis 1674 das Dormitorium (Schlafsaaal), das durch einen Zellenbau ersetzt wurde. Verblüffend: Die großzügige Raumaufteilung mit Fluren von fünf Metern Breite und 50 Metern Länge! Der südliche Teil schließlich beherbergt Kalefaktorium (Wärmestube) und Brunnenhaus. Von dort aus gelangt man auch zu den barocken Prunkstücken der Klosteranlage: Das Herrenrefektorium wurde um 1720 unter Abt Josef Hartmann erbaut und mit Szenen aus dem Leben des heiligen Bernhard verziert. Im zweiten Geschoss ließ besagter Abt den Josephsaal errichten, der in seiner prächtigen Ausmalung auch der eigenen Verherrlichung dienen sollte.
Doch Bronnbach ist weit mehr als steinerner Zeuge bewegter Vergangenheit. Denn das Kloster lebt. Verschiedene Institutionen haben seit 1986 in den alten Gemäuern Heimat gefunden, so der Archivverbund Main-Tauber, Teile des Grafschafts-Museums Wertheim sowie zwei Arbeitsgruppen des Fraunhofer Instituts für Silicatforschung; neuester Mitnutzer ist die Universität Mannheim. Darüber hinaus hat sich Bronnbach in den letzten Jahren zu einem attraktiven Kulturzentrum mit umfangreichem Programm entwickelt.
Religiöses Zentrum
Vor allem aber wollte man das alte Zisterzienserkloster auch als religiöses Zentrum wiedererstehen lassen. Erste Wiederbelebungsversuche mit Zisterziensern, Kapuzinern und Dominikanern waren auf Dauer nicht erfolgreich. Doch dank der Bemühungen von Landrat Georg Denzer und Domkapitular Dr. Robert Zollitsch aus Freiburg, der vor kurzem zum Erbischof von Freiburg ernannt worden ist, konnten am 15. September 2000 mit drei Patres der „Missionare von der Heiligen Familie“ wieder Ordensleute in Bronnbach einziehen. Da der Ordensnachwuchs hierzulande aber rückläufig ist, hat man Mitbrüder aus der nachwuchsstarken polnischen Provinz in die „Diaspora Deutschland“ gerufen.
Die Ordensgemeinschaft wurde 1895 von dem französischen Salettiner-Pater Jean Berthier im niederländischen Grave gegründet. Erklärtes Ziel war es, den Priesterberuf zu fördern und junge Männer für die Mission auszubilden. Heute wirken 950 Missionare in 21 Ländern der Erde; die Hauptaufgaben liegen vor allem in Seelsorge, geistlicher Begleitung sowie Schul- und Familienpastoral. Diese Ziele haben sich auch die Patres Georg Kallus, Bernhard Goworek und Joachim Serafin in Bronnbach gesteckt: Durch das Menschliche wollen sie den Leuten das Göttliche mitgeben. „Denn man kann die Menschen nur so zu Gott führen, wie er selbst zu uns kam“, ist sich Pater Georg sicher.
Offen auf Menschen zugehen
Deshalb sorgt der gebürtige Schlesier nicht nur für regelmäßige Gottesdienste in der Klosterkirche und steht für Beichtgespräche zur Verfügung, sondern will auch „offen auf die Menschen zugehen und ihnen ein bisschen Zeit zum Bleiben schenken“. Dass die Besucher dies schätzen, lässt sich am nie abreißenden Besucherstrom ablesen: Allein zur normalen Sonntagsmesse kommen bis zu 250 Besucher. „Das
lässt mich nicht verzweifeln“, freut sich Pater Georg. Und auch die Patres Bernhard Goworek und Joachim Serafin stellen sich mit aller Kraft in den pastoralen Dienst – als Seelsorger in den umliegenden Gemeinden und als Lehrer an Grund- und Hauptschulen.
So leisten die drei Ordensmänner nicht nur wichtige Seelsorgdienste, sie erfüllen auch das alte Kloster mit Leben. Denn Bronnbach ist für Pater Georg weit mehr als ein Kulturgut: Es ist „ein lebendiges Glaubenszeichen, das dazu beitragen kann, dass das Christliche in Europa wieder Fuß fasst.“
Tipps und Fakten
Gottesdienste: Gottesdienstzeiten: Dienstag bis Freitag 19 Uhr, Samstag 7.30 Uhr, Sonntag 10.30 Uhr. (im Sommer in der Klosterkirche, im Winter in der beheizbaren Krypta.). Jeden dritten Donnerstag im Monat Sühneabende, jeden 3. Sonntag im Monat Messe in polnischer Sprache. Beichtgelegenheit: vor den Gottesdiensten in der Kirche, tagsüber bei Pater Georg im Konventbau. Bitte klingeln. Kirchenpatrozinium ist – wie bei allen zisterziensischen Gotteshäusern – am 15. August (Maria Himmelfahrt); in diesem Jahr bildet dieses Hochfest zugleich den Höhepunkt des Jubiläumsjahres: Auftakt ist um 10 Uhr mit einem Pontifikalamt mit dem Weihbischof aus Freiburg und hochrangigen Würdenträgern des Zisterzienserordens und der Missionare von der Heiligen Familie.
Außerdem wird der neue Altar der Kirche gesegnet. Anschließend findet ein Stehempfang statt. An diesem Tag ist die Kirche ganztägig geöffnet. Um 18.30 Uhr Eucharistiefeier. Adresse: Missionare von der Heiligen Familie, Kloster Bronnbach, 97877 Wertheim.
Telefon 09342/ 926912 Führungen durch das Kloster vom 1. April bis 31. Oktober, Montag von 10 bis 12 und 14 bis 17.30 Uhr, Dienstag bis Samstag von 10 bis 17.30 Uhr, Sonn- und Feiertag von 13 bis 17 Uhr. Gruppen bitte anmelden. Telefon 09342/ 39596.
Veröffentlicht: 05.08.2003
Anja Legge
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