Priester
Wer Priester wird, schlägt einen langen und spannenden Weg ein. Er setzt ein deutliches und sehr mutiges Zeichen. Die Herausforderung ist groß, setzt der Priester doch mit seinem Auftrag Lebenszeichen für andere. Er leitet und begleitet die Gemeinde, er ermutigt, hört zu, inspiriert und gibt Rat. Er ist der Brückenbauer und Übersetzer, an dem sich das Wunderbare des göttlichen Wirkens in der Welt ablesen läßt.
- Der Weg der Berufung beginnt für viele angehende Geistliche im Priesterseminar der Diözese. In Priestervereinigungen finden Seelsorger nach ihrer Ausbildung Gemeinschaft und Raum für die Verwirklichung gemeinsamer Ziele.
Viele erleben Priester in ganz unterschiedlichen Bereichen: als Leiter einer Gemeinde, als Kapläne und Vikare, Religionslehrer und Seelsorger im Krankenhaus oder in der Jugendarbeit. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, hat auf seine Berufung erkannt. Das Fundament dieser Berufung bildet ein spirituelles Leben. Seine Mitte ist die Beziehung zu Gott. Meditation, das Hören der Schrift, das individuelle und gemeinschaftliche Gebet, menschliche Beziehungen und die Reflexion der eigenen und gesellschaftlichen Verhältnisse stärken die Entscheidung für dieses Leben. Die Geschichte jeder Berufung zum Priester ist die Geschichte eines Dialogs zwischen der Liebe Gottes und der Entscheidungsfreiheit des Menschen.
Brennpunkt Zölibat
Der Priester entscheidet sich freiwillig für eine Lebensform dauerhaften und vollständigen Verzichts auf jede Form sexueller Betätigung. Ernsthafte Bewerber müssen daher die eigenen Möglichkeiten, zölibatär zu leben, verantwortungsvoll überprüfen. Den Zölibat nur in Kauf zu nehmen, dafür ist der Preis zu hoch. Wer diesen Weg geht, muss den Zölibat wirklich wollen.
Der Dienst des Priesters besteht im Einsatz der ganzen Persönlichkeit für Jesus Christus. Von seinem Auftrag her hat er Anteil an den drei Grundvollzügen der Kirche: In der Diakonie wird der Priester zum Weggefährten der Menschen, der sie begleitet und ihnen nahesteht. Durch die Verkündigung wird er zum Deuter des Lebens, der das Wort der Hoffnung weitergibt. In der Liturgie vollzieht er mit der Feier der Eucharistie, der Spendung der Sakramente und im Gebet die Mitte seines Dienstes. Wer Priester werden möchte, muss jedoch auch offen sein für die Lebenssituation heutiger Menschen. Er muss fähig und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und kontakt- und kommunikationsfähig sein. Physische und psychische Belastbarkeit sind eine wichtige Voraussetzung für den Priesterberuf. In der Communio der Gemeinde sorgt der Priester dafür, dass sich niemand in der Gemeinschaft der Gläubigen fremd fühlt. Er selbst findet Gemeinschaft im Presbyterium seiner Mitbrüder.
Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit
Die priesterliche Spiritualität führt in der Nachfolge Christi zu einer „letzten Untrennbarkeit zwischen Amt und Existenz“ (Karl Rahner). Ihre Grundlage bilden die evangelischen Räte: Armut, Gehorsam, Ehelosigkeit. Voraussetzung für den Beruf ist das Studium der Katholischen Theologie. Männer mit erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung können in speziellen Einrichtungen ausgebildet werden. Die Ausbildung ist in drei Abschnitte gegliedert: Während des zehnsemestrigen Studiums wohnen die Kandidaten im Priesterseminar und erfahren dort bereits eine spezifisch kirchliche Gemeinschaft. Den zweiten Abschnitt bildet die theoretische und praktische Ausbildung zum Diakon. Sie dauert ein bis zwei Jahre. Von der Priesterweihe bis zur Zweiten Dienstprüfung - im dritten bis fünften Dienstjahr – arbeitet der Seelsorger (Kaplan oder Vikar) in einer Gemeinde. Der dritte Abschnitt umfasst das weiterbildende Studium des Priesters, der einer Gemeinde vorsteht. Nach der erfolgreichen Ausbildung und der Zulassung durch den Diözesanbischof erfolgt eine Anstellung als Diakon oder Vikar, später als Priester. Die Stellenzuweisung nimmt der Bischof vor, die Besoldung ist angelehnt an die Besoldungsordnung der Beamten. |