7. Augustinus-Studientag 2009Natur und KreaturFreitag, 5. Juni 2009 Würzburg, Toscanasaal der Residenz Tagungsbericht (DT) | Programm | Dokumentation der Reden | Medienecho | Fotogalerie | Tagungsband
|
|
| © oeaw.ac.at/kvk |
| Augustinus als Schreiber. Initiale zu ‹De Genesi ad litteram›. Heiligenkreuz, SB, Cod. 186 (Heiligenkreuz, 1133-1140). |
|
Bereits zum siebten Mal fand am Freitag, 5. Juni 2009, der Augustinus-Studientag des ‹Zentrums für Augustinus-Forschung› (ZAF) an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg statt – dieses Jahr mit freundlicher Unterstützung der Manfred-Wierichs-Stiftung. Unter dem Motto «Natur und Kreatur» konfrontierten fünf Referenten unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen das Werk des bedeutenden Kirchenvaters Augustinus (354-430) mit einer hochaktuellen Problemstellung. Als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung eröffnete Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel, MdL, die Tagung und lobte die «stabile und wissenschaftlich schlagkräftige» Allianz zwischen ZAF und Würzburger Universität. In seiner thematischen Einführung betonte Professor Dr. Cornelius Petrus Mayer, der wissenschaftliche Leiter des ZAF, den hohen Stellenwert, den die theozentrische Schöpfungslehre im philosophischen und theologischen Denken Augustins einnimmt: «Der Glaube an den Schöpfer ist es, der die Wertigkeit des Erschaffenen begründet». Dass die in Würzburg ansässige und ökologischen Zielen verpflichtete Manfred-Wierichs-Stiftung (Kuratoriumsvorsitzender: Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer) das Sponsoring der Tagung übernahm, unterstreicht die Brisanz des gewählten Rahmenthemas. Die beiden ersten Referate beleuchteten die beiden bedeutendsten geistesgeschichtlichen Voraussetzungen der Schöpfungslehre Augustins, den Platonismus und die Bibel. Der in Würzburg lehrende Philosophiehistoriker Professor Dr. Jörn Müller setzte sich in seinem Vortrag «Der Demiurg würfelt nicht» mit Platons Timaios auseinander und begründete seine These, dass in diesem Werk die erste «Intelligent-Design»-Theorie der abendländischen Geistesgeschichte ausgearbeitet worden sei. Der Wiener Ordinarius für Altes Testament, Professor Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger, interpretierte die «Bekenntnisse» Augustins als eine Theologie der Schöpfung und zeigte, dass der Kirchenvater nicht allein aus platonisch-neuplatonischer Tradition schöpft, sondern mit seiner Kritik am Polytheismus in einer deutlich erkennbaren Konvergenz zur alttestamentarischen Schöpfungstheologie steht: «Die Dinge der Welt sind keine Götter – sie sind Zeichen, sie verweisen auf den, der sie geschaffen hat». In die unterschiedlichen schöpfungstheologischen Strömungen – philosophiefreundliche und philosophiefeindliche – des frühen Christentums und der Spätantike, aber ‹jenseits von Augustin›, führte der emeritierte Kirchenhistoriker aus Heidelberg, Professor Dr. Adolf Martin Ritter, ein. Das Hauptreferat zur Schöpfungstheologie bei Augustinus hielt Privatdozentin Dr. Larissa Carina Seelbach von der Universität Dortmund. Sie wies in ihrem «Natur als Anrede» überschriebenen Referat darauf hin, dass nach Augustins Schöpfungsverständnis Schönheit und Ordnung der Natur den Menschen zur Suche nach dem Ursprung aller Kreatur anregen sollten. Aus Augustins Kommentaren zur Erschaffung des Menschen werde deutlich, dass der Kirchenvater – entgegen dem verbreiteten Vorwurf der Leibfeindlichkeit – auf der Basis seiner Schöpfungstheologie eine grundsätzlich positive Haltung zum menschlichen Körper vertreten habe. Einen Ausblick auf die Wirkungsgeschichte der augustinischen Schöpfungstheologie bot der Beitrag des Würzburger Ordinarius für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Professor Dr. Dominik Burkard, der unter der provozierenden Frage stand: «Augustinus – Kronzeuge der Evolutionstheorie?» Burkard referierte über seine Forschungen in vatikanischen Archiven zu Prozessen, die im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Evolutionslehre Darwins und seiner Adepten geführt wurden. Darin werde deutlich, dass der Kirchenvater Augustinus ein Einfallstor war, um eine jahrhundertelange scholastisch-doktrinäre Engführung aufzubrechen. Die fast einhundert, aus nah und fern gekommenen Besucher des Studientages nutzten ausgiebig die Gelegenheit, im Anschluss an die einzelnen Vorträge mit den jeweiligen Referenten in eine Diskussion einzutreten, die von Dr. habil. Christof Müller in souveräner Weise moderiert wurde. Mit einem Empfang im Institut für Philosophie fand der insgesamt erfolgreiche und ertragreiche 7. Augustinus-Studientag einen gemütlichen und würdigen Ausklang. Der Studientag 2010 wird unter dem Thema: «Was ist die Zeit? Die Antwort Augustins» stehen. Die Begrüßungsrede des Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V., Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel, MdL, sowie die thematische Einführung des wissenschaftlichen Leiters des ZAF, Professor Dr. Cornelius Petrus Mayer, sind im Wortlaut auf unseren Seiten dokumentiert (siehe Dokumentation der Reden). Alle Beiträge des Augustinus-Studientages 2009 werden (ebenso wie die früheren Veranstaltungen der im Jahr 2003 begründeten Reihe) einer breiteren Öffentlichkeit in Buchform in der Reihe «Cassiciacum. Res et Signa» (Verlag Augustinus bei echter) zugänglich gemacht werden (siehe Publikationen). Kontakt: cmayer augustinus.de Weiterführende Links: Programm Dokumentation der Reden Tagungsband Bildergalerie
Bildergalerie
|