Gruß- und Dankeswort der Abituria 1949 zum 80. Geburtstag unseres Klassenkameraden Prof. Cornelius Petrus Mayer OSAVon Professor Dr. Martin PolkeExcellenzen, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Klassenkameraden und Klassenkameradinnen, lieber Cornelius,
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© Andreas Mack (ZAF)  |
| Professor Dr. Martin Polke. |
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Berufenere stellen hier und heute Dein erfolgreiches Wirken als Wissenschaftler und akademischer Lehrer aus vielen Perspektiven der Festversammlung vor. Sie würdigen Dich und Dein Hauptwerk: das Augustinus-Lexikon, das seit dreißig Jahren von der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung virtuell und materiell begleitet wird. In der Klasse 7b des damaligen Humanistischen Gymnasium zu Münnerstadt lernten wir Dich als angehenden Augustiner kennen. Die schwarzen Ordensgewänder der sechs Augustiner-Klassenkameraden gaben dem kleinen Klassenzimmer im Altbau eine Würde, die nicht immer mit den sich gelegentlich dort üblichen Tragödien vertrug. Durch den Krieg aus sehr unterschiedlichen Gegenden zufällig durch das berühmte Gymnasium zusammengewürfelt, hatten wir mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen in den einzelnen Fächern die Aufgabe, das Abitur zu schaffen. Unsere Lehrer unterschieden sich besonders in ihrer pädagogischen Kompetenz, wie man heute sagen würde. Einige wenige von Ihnen sind uns aber bis heute in dankbarer Erinnerung lebendig geblieben, allen voran der fachlich, pädagogisch und menschlich herausragende Professor Martin Specht. Wir alle erreichten nach der 8b erfolgreich das Abitur, wir erinnern uns: sieben schriftliche Pflicht-Fächer von Montag bis Freitag, 12 Jahre Abitur mit dem nicht ausgesprochenen Prädikat: Studierfähig. Wir feierten den Abschluss in der damals möglichen Weise: Schwarz-Weißbilder belegen das. Die «Klösterer» verschwanden zunächst im Noviziat, die anderen begannen zu studieren, an vielen Hochschulen, in vielen Fächern und bestanden ihre Examina. Soweit fiel, wie wir alle, eigentlich keiner besonders auf. Und dann schafften es 1969 Mechthild Neumann und Reinhold Vöth aus der Oberstufen-Parallelklasse, nach 20 Jahren uns alle zum ersten Mal wieder zusammenzubringen. Ohne hier jetzt auf die erfolgreiche Entwicklung der jährlichen Treffen der Abituria 49 näher eingehen zu können, die man gut im VINCULUM nachlesen kann, beginnen jetzt mitunter zaghaft aus Klassenkameraden Freundschaften von im Beruf etablierten Menschen sich zu entwickeln. Gemeinsame Reisen, fachliche Begegnungen, runde Geburtstage, örtliche Kleingruppen aus unterschiedlichsten Anlässen, vertiefen die Beziehungen. Entfernungen spielen keine Rolle, die verschiedenen sozialen Positionen, Familie und Kinder prägen den örtlich-zeitlichen Rahmen. Cornelius und ich wurden Freunde. Wir haben sicher nicht zuerst die sinnvolle Frage nach dem Wesen und den Eigenschaften von Freundschaft im Sinne Aristotelischer Kategorienlehre gestellt. Wollte man dies, könnte man heute einen Blick in das Augustinus-Lexikon, Artikel Amicitia werfen. Wir kämen nicht um die Abgrenzung von amicitia gegenüber amor oder familiaritas, comitas vs. humanitas herum u.s.w. Gründe für die der Freundschaft eigene affinitas war sicher unser beider breites und stabiles philosophisches Fundament, nicht nur, wie heute oft üblich, Literaturgeschichte philosophischer Texte, sondern solide Kenntnis philosophischer Methodik, wie Erkenntnislehre, Logik, Ontologie, Metaphysik etc. Mit diesen der Mathematik und Physik axiomatisch verwandten Methodik konnten wir im Gespräch immer wieder Schnittmengen für Lösungsansätze auch uns nicht näher bekannter Probleme finden. Beide sind wir Humanisten, mit Latein und Griechisch in der Wolle gefärbt, sprachwissenschaftlich interessiert. Und beide haben wir rechtzeitig genug uns der Möglichkeiten der Informationstechnologie bedient, manchmal auch aus der Informationstheorie unsere klassische Philosophie durch aktuelle Strukturierungskompetenz erweitert. Uns verbindet aber auch der Drang, Probleme zu lösen, mit unseren jeweiligen Mitarbeitern, diese als Partner zu verstehen. Belastbare Methoden der Projektabwicklung mit Zielsetzung und Kontrolle stärken das Vertrauen der Beteiligten. Die tiefste freundschaftliche Erfahrung erfuhren wir jedoch, als wir uns der immer mehr in Vergessenheit geratenen Frage nach der Religiosität des Einzelnen und der soziologischen Gestaltungsmacht der Religionsgemeinschaften zuwandten. Es galt Wege zu finden, einer immer weniger religiösen Klientel, auch im akademischen Bereich, den Zugang zur Transzendenz via rationis, religionis und via mystica zu vermitteln und davon unabhängig die seit Max Weber thematisierte soziologische Problematik der Religionsgemeinschaften verständlich zu machen. Mit einem sehr erfolgreichen Seminar konnten wir hier mithelfen. Viele andere Interessen verbinden uns: Kunst, Geschichte, gegenwärtige Bildungs- und Wirtschaftspolitik, nicht immer konform, oft auch kontrovers, aber immer vorwärts gerichtet. Dazu begeben wir uns auch gern im Sinne Sokrates' mit unseren Freunden auf ein Gastmahl. Dort darf es dann auch fränkischer Wein sein! Eingedenk des Leitspruch des großen Augustinus, den wir jeden Sonntag während unserer Pennalzeit in der Münnerstädter Klosterkirche im Triumphbogen lesen konnten, wünschen wir, Deine Klassenkameraden und Klassenkameradinnen, nicht ohne Dir für Deine stete ökumenische Betreuung herzlich zu danken: Bewahre Dir ein unruhiges Herz, bis Du – hoffentlich erst in ferner Zukunft – ruhen darfst in Gott, unserem liebenden Herrn.
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