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80. Geburtstag von Professor Dr. Dr. h.c. Cornelius Petrus Mayer OSA

Grußwort von Professor Dr. Michael Erler,
Lehrstuhlinhaber für Gräzistik und Mitglied im Lenkungsausschuss von ZAF und Universität Würzburg

Sehr verehrter, lieber Herr Mayer,

Professor Dr. Michael Erler, Lehrstuhl für Gräzistik an der Universität Würzburg und Mitlied im Lenkungsausschuss von ZAF und Universität.
Professor Dr. Michael Erler, Lehrstuhl für Gräzistik an der Universität Würzburg und Mitlied im Lenkungsausschuss von ZAF und Universität.
ich fühle mich geehrt, dass ich Ihnen, lieber Herr Kollege Mayer nicht nur herzlich zum Geburtstag gratulieren darf; ich freue mich, dass ich mich bei dieser Gelegenheit bei Ihnen auch als klassischer Philologe und Mitglied der Würzburger Universität dafür bedanken kann, dass wir Sie beim Gelingen Ihres so bedeutenden Augustinus-Projektes und Ihrer zahlreichen Aktivitäten im Umfeld ein wenig unterstützen dürfen. Die Studientage, aber auch die gemeinsame Lektüre Augustinischer Texte empfinde nicht nur ich immer wieder als großen Gewinn, wird hier doch genaue philologische Textarbeit verbunden mit literarischen, philosophischen und theologischen Interpretationen, wie es die Schriften des Augustinus ja erfordern: ein Gewinn für Lehrende, aber auch für Studierende.

Nicht nur in diesem Zusammenhang beeindruckt mich dabei immer wieder Ihre Gelehrsamkeit, sondern auch Ihre Gelassenheit im Umgang mit Problemen vielfältiger Art, jene ‹Ataraxie›, welche pagane Philosophen nicht müde werden, uns einzuschärfen, jene Ataraxie also, die aus der notwendigen Distanz zu den Dingen erwächst, die leidenschaftliche Zuwendung aber keineswegs ausschließt.

Vielgerühmt sind in diesen Tagen Ihre Verdienste, Ihre Gelehrsamkeit, Ihr Organisationstalent, Ihre Humanitas. Dem Gräzisten sei freilich erlaubt, auf ein weiteres Thaumaston hinzuweisen.

Kürzlich las ich in der Presse im Rahmen eines Interviews mit Ihnen:

«Cornelius Mayer hat eine sportliche schwarze Cordhose an und erzählt, dass er jeden Morgen gegen fünf in seinen alten Dreier-BMW steigt, um im Adami-Bad seine Runden zu drehen». In der Tat: In einem Gespräch erzählte mir Cornelius Mayer, dass er für einen Film sogar sich habe beim Schwimmen filmen lassen müssen und dann sah ich in der Tat im Fernsehen die Schwimmkunst von Pater Mayer, wie er seine Bahnen zog, und fühlte mich an jenen Nereidenchor erinnert, von dem Martial schwärmt: «Es spielte auf der ganzen Fläche des Meeres der Nereiden gelehrige Schar und malte in wechselnder Anordnung Figuren ins gefällige Wasser.»

Schwimmer in der Flut der ‹Logoi›, der philosophischen Argumente: Cornelius Mayer wirbt im Sinne Platons für das Ideal der Philosophie. Szene aus der Dokumentation: «Te Deum – Himmel auf Erden. Folge 5: Glaube und Wahrheit. Die Augustiner».
Schwimmer in der Flut der ‹Logoi›, der philosophischen Argumente: Cornelius Mayer wirbt im Sinne Platons und Augustins für das Ideal der Philosophie. – Szene aus der Dokumentation: «Te Deum – Himmel auf Erden (5): Glaube und Wahrheit. Die Augustiner».
Ja, dachte ich bei mir, als ich ihm zuschaute, wie er das Becken durchfurchte: Cornelius Mayer, benötigt nicht jenes Handbuch für die Schwimmkunst, von dem Ovid in den Fasti spricht. Vielmehr, so war ich überzeugt, würde auch ihm die Nymphe Leukothea wie einstmals dem schiffbrüchigen Odysseus raten können (5,340), das Floß im Sturme fahren zu lassen und «mit Händen schwimmend zu streben nach Heimkehr ins Land der Phäaken».

Gewiss, Schwimmen gehörte nicht zu den olympischen Disziplinen, und die Griechen waren, obgleich von Wasser umgeben, gegenüber dem Meer skeptisch, sahen in Poseidon keinen eigentlich sympathischen Gott.

Und dennoch: Schwimmen zu können galt als wichtig und unabdingbar:

Ganze Schlachten wurden nach Meinung antiker Kommentatoren wie Herodot durch die Fähigkeit der Griechen, schwimmen zu können – gewonnen. Salamis ist nur ein Beispiel hierfür. Deshalb brachten in Griechenland und Rom die Väter ihren Söhnen das Schwimmen bei: Das gilt für den alten Cato, der seine Söhne bei jeder Temperatur im Tiber zu schwimmen lehrte, wie für Augustus, der seinen Söhnen Gaius und Lucius die Kunst des Schwimmens beibrachte.

Nicht schwimmen zu können, galt als Merkmal der Barbaren oder war Gegenstand des Spottes. Sueton jedenfalls hält es für richtig, den verweichlichten Tänzer, Sänger und Kaiser Caligula als einen zu charakterisieren, der nicht einen einzigen Schwimmzug fertigbringe (Claud. 54). Bemerkenswert schließlich ist auch, was Plutarch über Alexander den Großen berichtet (Alex. 58). Der habe, als er auf seinem großen Feldzug nach Nysa kam und dort an einem tiefen Fluss stand, gerufen: «Warum habe ich dummer Kerl nicht zu schwimmen gelernt!»

Die Antwort ist klar: Er hatte Aristoteles als Lehrer. – Bei Platon wäre ihm das nicht passiert. Denn bei diesem lesen wir im großen Erziehungsprogramm für den Staat Magnesia in den Nomoi, dass neben Lesen und Schreiben das Schwimmen ein grundlegendes Element jener Paideia ist, die man von einem Freien erwarten darf (Lg. 689d). Unfähigkeit hierzu gilt ihm – genauso wie die Unfähigkeit zu lesen oder zu schreiben – als Ausbund von Amathia – Mangel an Bildung – und das gilt auch für die höchste Stufe der Bildung, der Philosopie; der Philosoph nämlich müsse sich – so Sokrates in der ‹Politeia› – im übertragenen Sinne als ein Schwimmer im Sturm der Logoi, den Argumenten, bewähren (rep. 453d), ob er in einen kleinen Teich falle oder ins weite Meer.

Als also meine Gedanken bei der Betrachtung der Schwimmkünste von Cornelius Mayer bei Platon angelangt waren, jenem Autor und Philosophen, den Herr Mayer – natürlich nach Augustinus – besonders schätzt – wie er mir einmal brieflich mitteilte –, da wurde mir schlagartig klar: Cornelius Mayer ging es mit seiner öffentlichen Dokumentation seiner Schwimmkunst nicht um eine Demonstration körperlicher Ertüchtigung und auch nicht so sehr um ästhetischen Genuss für den Betrachter. Nein, der Augustinus-Kenner will mit dem Schwimmen Zeichen setzen: Denn sein Schwimmen belegt nicht nur, dass Herr Mayer um das Ideal antiker Paideia weiss, dass er sie im Sinne antiker Epimeleia praktiziert, dass er also ein Eleutheros im Sinne Platons ist. Richtig interpretiert, wird sein Schwimmen zu einer Protrepse: er will dazu anregen, ja fordert dazu auf, es ihm nachzutun und zu verstehen, dass pagane Paideia wichtig war, ist und bleibt – ganz im Sinne Platons und – natürlich – des Augustinus: Lasst uns schwimmen, im Wasser – und im Argument –, um Philosophen zu werden – dies ist die Botschaft. Wie sollte ein klassischer Philologe dafür nicht dankbar sein. Deshalb schließe ich mich gern dem Chor der Laudatores an, wünsche Ihnen, lieber Herr Mayer, weiterhin viele Nachahmer, und dass Sie uns noch lange belehren werden, Ihnen zur Freude und uns zum Gewinn.

 

Weiterführende Links:

Internet-Video: «Glaube und Wahrheit. Die Augustiner» in der 3sat-Mediathek (Media Player erforderlich)
3sat-Mediathek: Die Dokumentationsreihe «Te Deum – Himmel auf Erden»