Cornelius Mayer Ehrenbürger von Weindorf (Pilisborosjenö)Am 20. August 2009 wurde Professor Dr. Cornelius Mayer die Ehrenbürgerwürde seines donauschwäbischen Geburtsortes Pilisborosjenö/Weindorf verliehen. Über dieses Ereignis berichtet «Unsere Post», die monatlich erscheinende Heimatzeitung der Deutschen aus Ungarn, in ihrer Novemberausgabe. Von Klaus J. Loderer.
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| Cornelius Mayer ist neuer Ehrenbürger seines ungarischen Geburtsortes Pilisborosjenö/Weindorf. Aus der Hand von Bürgermeister János Küller (r.) erhielt er die Ernennungsurkunde. |
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Am 20. August wurde Prof. Dr. Cornelius Mayer bei einem Festakt in seiner Heimatgemeinde zum Ehrenbürger ernannt. Die nördlich von Budapest gelegene Gemeinde Weindorf (Pilisborosjenö) ehrte damit die Verdienste des bekannten Augustinerforschers. Unter den Gästen waren der Bürgermeister von Würzburg Dr. Dr. Adolf Bauer und Eva Maria Linsenbreder, Bürgermeisterin von Kleinrinderfeld, einer Gemeinde bei Würzburg, die eine Partnerschaft mit Weindorf anstrebt.Weindorfs Bürgermeister János Küller würdigte Mayer in einer ausführlichen Laudatio: «Cornelius Mayer wurde 1929, während der schweren Jahre zwischen den beiden Weltkriegen, in Weindorf geboren. Hier war er Knabe und heranwachsender Junge. Im Jahr 1941 gab es eine Volkszählung in Ungarn, die unter anderem auch die nationale Zugehörigkeit und die Muttersprache der Bürger festschrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Sinne einer Gesetzesverordnung alle jene nach Deutschland deportiert, die bei der Volkszählung 1941 sich zur deutschen Nationalität oder zur deutschen Muttersprache bekannt hatten. Die Verordnung traf die Mehrzahl der 1800 Personen zählenden damaligen Gemeinde. Die Deportation fand in zwei Transporten am 25. April und am 2. Mai 1946 von Solymár aus statt. Der unmenschlichen Bedingungen und der Schicksale der Deportierten gedenkt unser Dorf jeweils am Jahrestag. Nur wenigen deutschen Familien gelang es, der Deportation zu entgehen. Familien wurden getrennt. Gründe für eine Befreiung waren Beschäftigungen, auf welche der Staat nicht verzichten mochte. Mayer war damals Gymnasiast; er wurde deportiert. Cornelius Mayer legte in Deutschland, in Münnerstadt die Reifeprüfung ab, kurz darauf trat er in Würzburg in den Augustinerorden ein. Er studierte in deutschen Großstädten, später in Frankreich. Er war Professor der Theologie an der Universität Gießen bis zu seiner gesetzlichen Emeritierung 1996. Als Emeritierter kehrte er nach Würzburg zurück, wo er ein Forschungsinstitut gründete, das er bis heute leitet. Die Ergebnisse seiner Forschung veröffentlicht er im periodisch erscheinenden Augustinus-Lexikon, das in den Bibliotheken der Welt einzusehen ist, und über das auch das Internet informiert. Seine über Jahrzehnte sich erstreckende Aktivität hat ihn bekannt gemacht. Er genießt großes Ansehen in der deutschen Öffentlichkeit, ebenso in der kirchlichen Welt. Seinen 80. Geburtstag beging die Stadt Würzburg mit einer glanzvollen Veranstaltung. Auch eine geladene Abordnung seines Geburtsdorfes konnte ihn im Kreis universitärer und kirchlicher Würdenträger begrüßen. In nahezu sämtlichen unser Dorf unterstützenden deutschen Hilfsleistungen stoßen wir auf die weitverbreiteten Beziehungen von Cornelius Mayer. Nie vergaß er seinen Geburtsort. Er besucht die Heimat, seit sich dazu Möglichkeit bot. Derzeit bemüht er sich um eine Partnerschaft zwischen der Gemeinde Kleinrinderfeld bei Würzburg und Pilisborosjenö. Cornelius Mayer ist der berühmte, jenseits der Grenzen unseres Landes bekannteste Sohn unserer Gemeinde. Uber sein Werk, das Augustinus-Lexikon, hat auch Papst Benedikt XVI. sich in einem Gratulationsschreiben anerkennend geäußert. Wir sind stolz darauf, dass unser Dorf einen Sohn der Welt gab, den selbst der Heilige Vater seiner Sympathie würdigt. Auch sonst verdanken wir bisher viel Cornelius Mayer. Im Blick auf die Zukunft erbitten wir seine weitere Unterstützung. Der Glanz seines professoralen Ansehens möge auch auf sein Geburtsdorf fallen, und unser Wohlergehen sich durch neue Beziehungen mehren.» Neben der Urkunde überreichte ihm Bürgermeister Küller ein Bild von Weindorf. Im Rahmenprogramm des Festakts erklangen das Lied »Die Abendglocke«, vorgetragen vom Silberberg-Singkreis, einige Lieder des Singkreises des Deutschclubs und von beiden Chören zusammen gesungene ungarische Volksweisen. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Weindorf bringe die Reihe der Ehrungen anlässlich seines 80. Geburtstags zu einem krönenden Abschluss, betonte der Geehrte in seiner Dankesrede. «Wenngleich ich, ein 1946 vertriebener Donauschwabe, mir erst in der neuen Heimat jenes Wissen aneignete, um dessentwillen ich in Fachkreisen weltweit bekannt wurde, so blieb ich doch meiner alten Heimat stets eingedenk.» Deshalb haben die vertriebenen Ungarndeutschen die erste Gelegenheit ergriffen, wieder die alte Heimat zu besuchen: «Es war deshalb nur verständlich, dass wir Vertriebene, sobald die politischen Verhältnisse dies ermöglichten, beinahe Jahr für Jahr die alte Heimat besuchten. Kennzeichnenderweise sagten wir nicht: wir fahren nach Ungarn wie etwa nach Italien oder nach Spanien – nein: wir fahren nach Hause, sagten wir. Das Schicksal der Donauschwaben hier, die Bewahrung ihrer doppelten, ihrer ungarnstaatlichen wie auch ihrer deutschstämmigen Identität ist uns, den in der Bundesrepublik lebenden Donauschwaben, ein Anliegen. Dafür haben wir uns ideell wie materiell stets eingesetzt, dafür wollen wir uns auf kommunalpolitischer Ebene weiterhin einsetzen. Indem wir dies tun, stützen und stärken wir Ungarn. Vielleicht ergibt sich ein anderes Mal die Gelegenheit darüber ausführlicher zu sprechen. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich seit dem meine Heimat besuchte. Häufig kam ich in Begleitung von Freundinnen und Freunden, mit Kollegen und mit Studenten. In den 70er-Jahren waren die Kofferräume unserer Autos stets beladen mit Kleidern, lebten wir doch in der Bundesrepublik bereits im Wohlstand und im gastfreundlichen Ungarn fühlten wir uns wie Gott in Frankreich. Im Dorf gab es noch keine Pensionen, geschweige denn ein Hotel. Wir kamen bei Verwandten und Freunden unter. Es versteht sich aber, dass wir mit den Bürgern des Landes ins Gespräch kamen. Ich will nicht zu weit greifen, aber ich denke, solche Gespräche trugen nicht wenig zu jener Erosion bei, die zur Aufweichung und schließlich zur Beseitigung des hierzulande herrschenden politischen Systems führt. Und wieder war es das freiheitsliebende Ungarn, das in den Sommermonaten des Wendejahres 1989 – diesmal erfolgreich – das Joch der politischen Unmündigkeit abschüttelte und damit auch anderen Staaten und Nationen den Weg in die Freiheit buchstäblich eröffnete. Seitdem sind wir, die ehemaligen Bürger der Gemeinde Pilisborosjenö und die hier lebenden bemüht, die Bande der Zusammengehörigkeit möglichst vielmaschig zu knüpfen.» Klaus J. Loderer © Unsere Post. Die Heimatzeitung der Deutschen aus Ungarn, 64. Jahrgang, Nr. 11/2009, Seite 7 «Unsere Post» ist die Heimatzeitung der Deutschen aus Ungarn. Sie ist ihre Verbindung zu den Landsleuten und zur Heimat. «Unsere Post» gibt den Lesern wichtige Informationen über Heimattreffen und Veranstaltungen, Geschichte, ungarndeutsches Brauchtum, Familienforschung, aktuelle Ereignisse in Ungarn, die Lage der Deutschen in Ungarn, Personalien, Familiennachrichten über Geburtstage, Todesfälle und Familienjubiläen, Ratgeber in sozialen Fragen, Informationen über ungarndeutsche Heimatbücher und weitere Neuerscheinungen zu ungarndeutschen Themen und natürlich Nachrichten aus Ungarn und dem Burgenland. Daneben enthält "Unsere Post" Beiträge zur Meinungsbildung und zur politischen Entwicklung und unterhält die Leser mit unterhaltsamen Geschichten und stimmungsvollen Gedichten. Weiterführender Links:» http://www.unsere-post.de » Im Wortlaut: Die Ernennungsrede von Bürgermeister János Küller » Im Wortlaut: Die Dankesrede des neuen Ehrenbürgers Professor Dr. Cornelius Mayer » Bildergalerie
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