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DANKESREDE ZUM 20. JUNI 2009

Von Prof. Dr. Cornelius Petrus Mayer OSA
 

Sehr verehrter Herr Erzbischof Dr. Zollitsch,
verehrter Herr Oberbürgermeister Rosenthal,
lieber Vorsitzender unserer Gesellschaft Dr. Thomas Goppel,
lieber Vorsitzender unseres Zentrums Dr. Adolf Bauer,
meine Damen und Herren!

Den einstigen Entschluss, über den hl. Augustinus zu promovieren, betrachtet er in der Rückschau als eine «gnädige Fügung».
Der Jubilar Cornelius Petrus Mayer OSA bei seiner Dankesrede.
Blicke ich auf die Dekaden-Feiern meiner Geburtstage zurück, so übersehe ich in der gegenwärtigen keineswegs – um einen Begriff aus der antiken Rhetorik zu gebrauchen – eine Klimax, eine Steigerung. Indes, die Bäume wachsen nicht in den Himmel, sagt das Sprichwort. Und weil mich auch die Bibel zu einem intensiveren Gewahrwerden der Begrenzung meines irdischen Daseins nach erreichtem 80. Lebensjahr mahnt, so dürfte mit dieser Feier das ‹non plus ultra› an Ehrungen erreicht sein.

Ich danke allen, die dazu in welcher Weise auch immer beigetragen haben:

1. Dem Festredner allem voran, der sich trotz der Fülle seiner Verpflichtungen als Erzbischof einer der großen deutschen Diözesen sowie als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz mich schon bei der Ankündigung seines hochaktuellen, der Augustinus-Forschung adäquat Rechnung tragenden Themas überrascht und nunmehr mit seinen Ausführungen beglückt hat. Ich darf auf meinen Dank an ihn nochmals zurückkommen.

2. Ich danke sodann den Autoren der stattlichen Festschrift Spiritus et littera, vorzüglich natürlich den Herausgebern, meinen Mitarbeitern im Zentrum: den Herren Christof Müller, Andreas Grote und Guntram Förster. Der Eifer, mit dem sie sich trotz der täglich zu bewältigenden Arbeiten auch dieser hingaben, entging mir nicht. Den von Prof. Dr. Johannes Hellebrand besorgten, das Leben eines Bischofs in der Spätantike erhellenden und mir gewidmeten Sammelband Augustinus als Richter halte ich für eine nicht weniger noble Festgabe.

3. Die Grußworte lassen mich nicht nur über die Vielfalt meiner Aktivitäten, sondern auch über die kognitiv wie emotional immer noch anhaltenden Beziehungen staunen. Ich gestehe: sie haben mich geprägt, sie gehören zu den Reichtümern meines Lebens.

4. Mein besonderer Dank gilt den Organisatoren dieser Feier, allem voran der ehrenhalber für die Öffentlichkeitsarbeit im Zentrum für Augustinus-Forschung zuständigen Frau Christel Scheler. Bei ihr laufen die Fäden jeder unserer Feiern zusammen. Dank ihrer Kontakte sind wir auch beim anschließenden Empfang Gäste des benachbarten Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH. Und so gilt mein Dank jetzt schon Herrn Prof. Norbert Menke, dem Hausherrn dieses Unternehmens.

5. Es scheint fast schon eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass die Diözese Würzburg uns für die Jahresvollversammlungen der Gesellschaft ihr Matthias-Ehrenfriedhaus wie auch Himmelspforten unentgeltlich zur Verfügung stellt. Dies bleibe – verbunden mit einem herzlichen Vergelt’s Gott – nicht unerwähnt.

6. Es freut mich, dass wir im Hinblick auf die Herkunft des Festredners sowie auch meiner eigenen aus der ehemaligen Donaumonarchie für die musikalische Gestaltung der Feier das Künstler-Geschwisterpaar Claudia und Julia Weissbarth, Töchter des Donauschwäbischen Architekten und zur Zeit Vorsitzenden des Sankt-Gerhardswerkes, gewinnen konnten. Übrigens werden beide im kommenden Jahr auch auf dem Würzburger Mozartfest zu hören und zu erleben sein.

–––––––––––

Meine sehr verehrten Damen und Herren. Als ich 1954 mein Vorhaben zu promovieren mit Fritz Hofmann, dem Professor für Dogmatik, besprach, suggerierte mir dieser zwei Themenfelder: das eine über Karl Barth, den evangelischen Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, das andere über den Kirchenvater schlechthin, den hl. Augustinus. Dass ich mich für Augustinus entschieden habe, dies betrachte ich im Nachhinein als eine gnädige Fügung.

Inhaltlich ging es in meiner Doktorarbeit über die Rolle und die Bedeutung der Zeichen in Unterschied zu den Sachen, die sie bezeichnen, in den Frühschriften des Kirchenvaters, wobei die Sache aller Sachen, auf die alles verweist, der dreieinige Gott ist. Nach der Promotion wurde ich dann gebeten, das Thema weiter zu bearbeiten und darüber auch zu habilitieren. Dies betrachte ich als eine weitere Fügung meiner wissenschaftlichen Laufbahn, denn auf diese Weise gelang es mir, noch tiefer, noch umfassender in Augustins Denken einzudringen.

Mitte der 70er Jahre kam mir bei der Abfassung eines Beitrages über Taufe und Erwählung bei Augustinus für eine Festschrift die Idee, ein Lexikon herauszugeben, in dem Informationen über alle relevanten Themen im Denken Augustins in lexikalischer Kürze zu finden wären. Mein damaliger Provinzial war mit dem Vorhaben einverstanden und auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, bei der ich das Projekt einreichte, ließ an dessen Opportunität keine Zweifel aufkommen. Die Publikation des Lexikons vertrauten wir dem renommierten Verlagshaus Schwabe in Basel an – damals noch im Besitz des Herrn Dr. Christian Overstolz, jetzt des Herrn Ruedi Bienz. Betreut hat uns dort Jahrzehnte hindurch Dr. Urs Breitenstein.

Ende der 70er Jahre entschied ich mich, einen Ruf an die Justus-Liebig-Universität in Gießen anzunehmen, was ich nicht bereut habe, denn an dieser vorzüglich naturwissenschaftlich ausgerichteten Hochschule war ich mit einem international renommierten geisteswissenschaftlichen Projekt eine Art Galionsfigur. Sie stattete meine Professur im Verhältnis zu den Kollegen meines Fachbereichs räumlich und personal vorbildlich aus: In Gießen schufen wir den in Fachkreisen begehrten lemmatisierten elektronischen Text aller Schriften Augustins. Dort begannen wir auch die bibliographischen Daten der weltweit auf etwa 50 000 Titel geschätzten augustinischen Sekundärliteratur zu sammeln und elektronisch auf die Artikelliste des Augustinus-Lexikons hin zu erschließen. Mit diesen beiden Instrumenten leisteten wir der Augustinus-Forschung – so in mehreren Rezensionen zu lesen – einen unschätzbaren Dienst.

Schon Mitte der 80er Jahre wurde das Augustinus-Lexikon von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Langzeitprojekt eingestuft. Bei der Suche nach einer das Projekt fördernden Akademie ebnete mir Karl Kardinal Lehmann – damals schon Bischof von Mainz – den Weg in die dortige Akademie, nachdem Dr. Thomas Goppel – damals Staatssekretär im Bayerischen Wissenschaftsministerium – die erforderlichen Finanzen vom Freistaat für uns buchstäblich erkämpft hatte. In der Akademie stand uns viele Jahre hindurch der Leitende Akademische Direktor Dr. Carlo Servatius zur Seite, dem ich auch auf diesem Weg nochmals danken möchte. Bei den Evaluationen des Lexikons erhielten wir beste Prädikate, und auch die Union der Akademien wollte 2007 bei der Präsentation ihrer herausragenden Projekte im Pergamon-Museum zu Berlin auf die Beteiligung des Augustinus-Lexikons nicht verzichten. Ihre Anwesenheit, sehr verehrte Frau Präsidentin Lütjen-Drecoll, ehrt nicht zuletzt darum mich und meine Mitarbeiter außerordentlich.

Nach meiner Emeritierung in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wies mir die Provinzleitung des Augustinerordens mit einer Fachbibliothek und mit Infrastruktur bestens ausgestattete Räume am Dominikanerplatz zu, was mir erlaubte, das bis dahin vorzüglich auf das Lexikon hin konzipierte Forschungsprojekt erheblich zu erweitern. Zu meinem 70. Geburtstag richtete mir die Firma Makrolog in Wiesbaden, mit deren Software wir den schon erwähnten elektronischen Text schufen, das Internetportal www.augustinus.de. ein. Nun hatten alle an Augustinus weltweit Interessierten Zugriff auf unsere digitalen Dienste. Der Internetstatistik nach sind wir mit über 1 000 täglich Besuchern in der Augustinus-Forschung die Number One. Dies veranlasste mich, unsere diversen Forschungsprojekte und Angebote unter dem Namen Zentrum für Augustinus-Forschung zusammenzufassen.

Bereits im Jahr 2001 äußerte Dr. Goppel als Vorsitzender der Gesellschaft den Gedanken, wir sollten das Zentrum im Hinblick auf dessen weltweite Bedeutung an die hiesige Universität anbinden. Während er dann als Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst diese Idee in München zielstrebig weiterverfolgte, bemühte sich Dr. Bauer hierzulande, Beziehungen zur Universität zu knüpfen und zu vertiefen. Regelmäßig bieten wir seit 2003 im WS ein Blockseminar und im SS einen Studientag mit namhaften Referenten über aktuelle augustinische Themen an. Über den letzten zum Thema Schöpfung finden Sie einen ausführlichen Bericht in der hier in Würzburg erscheinenden und im Foyer ausgelegten Tagespost, einer katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, die ich wärmsten empfehlen kann. Planungen zu einem internationalen Symposion 2010 in Rom sind so gut wie unter Dach und Fach.

––––––––––––

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Gelegentlich werde ich gefragt, woher wohl diese außergewöhnliche Resonanz über unsere Forschungsarbeit in den Geisteswissenschaften komme. Meines Erachtens gibt es dafür zwei Gründe: Der eine ist Augustinus selbst. Der Kirchenvater ist nicht nur einer unter den vielen Denkern des Abendlandes, er ist, was der Titel eines Buches über ihn zum Ausdruck bringt: Genius des Abendlandes. Seine schier beispiellose Wirkungsgeschichte hält bis in die Gegenwart herauf an. Der Bischof von Hippo beeinflusste nicht nur die Theologie und die Philosophie, sondern auch andere Fachgebiete wie die Psychologie, die Linguistik, die Politik- und Sozialwissenschaften ganz allgemein – um nur einige zu nennen.

Der andere Grund hängt aufs Engste mit dem ersten zusammen: Selbst wenn man nicht mit allem einverstanden ist, was Augustinus lehrte, geht von ihm doch eine Faszination aus, die mit ihm sich Beschäftigende in seinen Bann zieht. Dies gilt weithin auch von meinen Mitarbeitern. Es ist gewiss nicht nur die Tatsache, dass wir mit unseren Projekten häufig in den Medien waren und sind, die uns bei unserer Arbeit motivierte und motiviert. Vielmehr dürfte es die Erfahrung sein, an der Präsentation des Denkens einer Person mitarbeiten zu dürfen, die wie nur wenige auch uns heute noch etwas zu sagen hat. Ich freue mich deshalb, dass sich zu dieser Feier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch aus meiner Gießener Zeit so zahlreich hier eingefunden haben. Sie alle verdienen es, mit mir geehrt und gefeiert werden.

Lassen Sie mich zum Schluss nochmals auf meinen Dank an Herrn Erzbischof Zollitsch zurückkommen. Sie, verehrter Herr Erzbischof, feierten am 9. August 2008 Ihren 70. Geburtstag. Ich bat damals Herrn Dr. Karl Heinz Chelius, den ‹redactor emeritus› des Augustinus-Lexikons und Starphilologen unseres Zentrums, um eine in klassischem Latein abgefasste Dedicatio zu diesem Ihrem Festtag. Sie schmückt nunmehr auch den Band 4 unserer Reihe Res et signa mit der Veröffentlichung der Referate auf den Studientagen 2005 und 2006, den wir Ihnen als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz widmen. Schon Ihr Vorgänger in diesem Amt, Karl Kardinal Lehmann, war unserem Zentrum gewogen, und manches hätten wir ohne die finanziellen Hilfen der Bischofskonferenz – dank auch der Fürsprache des hier anwesenden Dr. Rainer Ilgner – nicht verwirklichen können. Erst am 9. des Monats hörte ich im Deutschlandfunk ein Interview, das Bettina Klein mit Ihnen führte. Es ging da um Fragen der Ethik und der Politik. Wie treffend, dachte ich, denn unser Ihnen gewidmeter Band trägt die Überschrift: Augustinus – Ethik und Politik.

«Dem Hochwürdigstem Herrn Robert Zollitsch», so heißt es u. a. in der Widmung, «zum Grad eines Doktors der Theologie über ‹Amt und Funktion des Priesters in den ersten zwei Jahrhunderten christlicher Zeit› promoviert ... derzeit des Stuhles der Erzdiözese Freiburg in Breisgau vortrefflichem Erzbischof, dem besonnenen und auf das baldige Fortschreiten der Ökumene in den Pfarreien zur Einheit der Christen bedachten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, widmen diese Schriften zu seinem 70. Geburtstag, von Herzen gratulierend, die Herausgeber des Augustinus-Lexikons, seine Redaktoren und sämtliche Mitarbeiter, allen voran Cornelius Petrus Mayer OSA.»