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Augustinus-Zitatenschatz

Vorwort zur 5. Auflage

Der Professor Augustinus liest Rhetorik (B. Gozzoli, 1465). Titelbild des «Augustinus-Zitatenschatzes».
Der Professor Augustinus liest Rhetorik (B. Gozzoli, 1465). Titelbild des «Augustinus-Zitatenschatzes».
Immer wieder wurden Bitten um Auskünfte über einschlägige Sentenzen, einprägsame, weil kurz und treffend formulierte Sinnsprüche aus der Feder des Kirchenvaters Augustinus an das Zentrum für Augustinus-Forschung in Würzburg herangetragen, zur Taufe etwa, zur Ehe, zum Gedenken für Verstorbene, zu den Festen des Kirchenjahres, aber auch zu den Kernfragen des kirchlichen Glaubens, zu den Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, zur christlichen Weltanschauung, selbst zur Politik und dergleichen mehr.

In der Tat, Augustins schriftstellerisches Werk ist eine wahre Fundgrube von Sentenzen, die Leser sowohl über ihren Inhalt wie auch über ihre Diktion zum Nachdenken anregen. Häufig bestehen diese Sätze aus Formulierungen, die schwierige Fragen und komplexe Sachverhalte erhellend auf den Punkt bringen. Kein Wunder, denn Augustinus war ein ebenso scharfsinniger Dialektiker wie glänzender Redner. Eine gute Rede, so lehrte er, müsse den Hörern bzw. den Lesern zuallererst das Wahre vermitteln (‹docere›), sie sodann zum Tun des Guten bewegen (‹movere›), und womöglich durch formvollendete Sprache auch erfreuen (‹delectare›).

Die hier nunmehr in fünfter Auflage vorgelegte und erheblich von 60 auf rund 200 Seiten erweiterte Sammlung steht nach wie vor primär im Dienste der Vermittlung einer christlichen Spiritualität augustinischer Prägung. Was aber diesen Zitatenschatz von zahlreichen sonstigen Veröffentlichungen augustinischer Sentenzen unterscheidet und kennzeichnet, ist die Wiedergabe der ausgewählten Texte in Latein, in der Sprache Augustins. Auf sie folgt deren Übersetzung ins Deutsche und darauf noch jeweils ein Kurzkommentar, der den Text im Hinblick auf das Denkgebäude des Kirchenvaters zu deuten und zu verdeutlichen versucht.

Der Augustinus-Zitatenschatz ist zwar nicht ausschließlich, wohl aber vorzüglich für Leser gedacht, die des Lateinischen mächtig sind – mächtig in dem Sinne, dass sie sich nicht allein vom Denken, sondern ebenso auch von der Sprache Augustins berühren zu lassen vermögen. Diese fünfte Auflage des Augustinus-Zitatenschatzes ist also – sit venia verbo – eine Lektüre für christliche Intellektuelle, um mit Augustinus zu sprechen, für ‹nutriti in ecclesia›, für nicht allein ‹in scripturis dominicis eruditi›, sondern auch ‹in quibuscumque litteris non mediocriter instructi› (Sermo 133,4). Es gab immerhin namhafte Latinisten, die des Kirchenvaters Sprachvermögen auf der Ebene Ciceros ansiedelten.

Im Unterschied zu den ersten Auflagen mit ihren kurzen Texten entschied ich mich im Hinblick auf die Bedeutung Augustins in der Theologie und Philosophie, zunehmend auch in den Human- und Geisteswissenschaften, für eine Aufnahme selbst längerer Texte in den Zitatenschatz. Gerade sie zeigen nicht selten, weshalb ihr Autor einen Gedanken oder einen Sachverhalt aufgreift, wie er sie erläutert und erläuternd vertieft. Oft genug entfalten markante Sätze erst innerhalb des sie umgebenden umfassenderen Kontextes ihre strahlende Prägnanz.

Die Texte sind thematisch Stichworten in alphabetischer Reihung zugeordnet. Diese stehen zum Zwecke einer Orientierung als eine Art Inhaltsangabe auch an der Spitze der Sammlung. Innerhalb eines Stichwortes folgen sie dann in numerischer Erfassung. Die unterschiedliche Menge der unter einem Stichwort aufgenommenen Texte gründet vorzüglich in der Bedeutung, die ihnen im Denken Augustins zukommt. Wiederholungen zitierter Texte werden weithin vermieden. Thematische Verflechtungen kommen indes vielfach vor. Solche ließen sich auch in den Kurzkommentaren kaum vermeiden. Um den Leser nicht ständig auf anderswo Gesagtes zu verweisen, werden wiederholte Erklärungen zu zentralen theologischen wie philosophischen Begriffen bzw. Sachverhalten in Kauf genommen. Gelegentlich wird auf die einschlägigen Artikel des Augustinus-Lexikons verwiesen, seltener auch auf Sekundärliteratur. Der lateinische Text der Sentenzen ist dem Corpus Augustinianum Gissense 2 a Cornelio Mayer editum (= CAG 2) mit dessen Quellenangaben entnommen.

Den Leser mancher Texte aus den Predigten wird die inhaltliche Tiefe der Gedanken, die der Bischof von Hippo seinen Hörern zugemutet hatte, überraschen. Zugleich wird er mit Genugtuung die Bindung so gut wie aller Predigten an die biblische Verkündigung wahrnehmen und bewundern. Anschaulichkeit, Bilderreichtum, Häufung von Allegorien und Metaphern kennzeichnen den augustinischen ‹Sermo›. Ich konnte es mir nicht versagen, mustergültig einen solchen in seiner Gänze mit aufzunehmen. Es ist dies die unter dem Stichwort ‹Eucharistie› wiedergegebene Predigt 227, die der Bischof an einem Ostermorgen den Neophyten, den in der Taufe neugeborenen Gliedern am Leibe Christi, gehalten hat. Sie ist ein Juwel sowohl der Theologie wie auch der Rhetorik des Kirchenvaters.

Zu danken habe ich Herrn Dipl.-Theol. Guntram Förster, meinem Mitarbeiter im Zentrum, für das Lektorat dieses Zitatenschatzes, sodann Herrn Dr. Karl Heinz Chelius, dem ausgewiesenen Kenner des Lateins und Redactor emeritus des Augustinus-Lexikons, von dem der lateinische Text der Widmung stammt. Ebenso danke ich Frau Nicole Pfeifer M.A. für die Mitkorrektur und Frau Christine Schneider für den Vertrieb dieses Heftes im Zentrum.

***

Gewidmet sei diese fünfte Auflage des Augustinus-Zitatenschatzes Papst Benedikt XVI. Bereits als Professor begrüßte er in den 70er Jahren das Vorhaben der Edition eines Augustinus-Lexikons. Als Kardinal gehörte er dann dem Kuratorium der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. an und als Papst verfolgt er mit Interesse unsere Arbeiten im Zentrum für Augustinus-Forschung. Er gehöre «mit Freude zu den Benutzern dieses großartigen Werkes» (sc. des Lexikons), das er immer wieder zur Hand nehme und von dem er immer neu lerne, schrieb er in einem offenen Brief zu meinem 80. Geburtstag.

«Dem höchsten Bischof der Römisch-Katholischen Kirche, dem hochwürdigsten Herrn Papst Benedikt XVI., unseres heiligen Vaters Augustinus’ hervorstechendem Erforscher und deutlichem Ausleger, der allseitigen augustinischen Unterweisung und Wissenschaft stetigem und denkwürdigem Gefolgsmann».

Würzburg, am 13. November 2009, dem 1655. Geburtstag Augustins

Cornelius Petrus Mayer OSA