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6. Der ekklesiologische Aspekt der Menschwerdung Christi aus der Jungfrau und Mutter MariaWeihnachten ist ein Fest der Kirche in dem Sinne, dass auch sie - in deutlicher Anspielung an Maria - in ihrem jungfräulichen Schoß die Gläubigen als Glieder des Leibes Christi gebiert. Dies ist ein zentraler theologischer Gedanke, auf den Augustinus in seiner Ekklesiologie immer wieder zurückkommt. Man begegnet ihm mehrfach in den Weihnachtspredigten. Der Apostel Paulus, so argumentiert der fromme Bischof, habe in seinem zweiten Korintherbrief die Kirche eine Jungfrau genannt, und zwar nicht allein im Blick auf die Jungfrauen in der Kirche, sondern auch im Blick auf eine Geisteshaltung der Christen, die auf ihre Unversehrtheit des Glaubens zu achten hätten: «... ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen» (2 Cor 11,2). Die Kirche, so folgert Augustinus daraus, ahme im Geiste die jungfräuliche Mutterschaft Mariens nach, da sie im Leibe dies nicht vermöge. Im Geiste aber sei sie ebenfalls Jungfrau und Mutter zugleich.
Sermo 191,3 Nullo itaque modo uirginitatem matri suae nascendo Christus ademit, qui ecclesiam suam de fornicatione daemonum redimendo uirginem fecit. |
In keiner Weise also hat Christus durch seine Geburt seiner Mutter die Jungfräulichkeit genommen, der (auch) seine Kirche, indem er diese von der Buhlschaft mit Dämonen befreite, zu einer Jungfrau machte. |
Sermo 191,4: Postremo omnes alloquor, omnibus dico; uniuersam uirginem castam, quam desponsauit apostolus Christo, ista uoce compello. quod miramini in carne Mariae, agite in penetralibus animae. |
Schließlich spreche ich zu allen, zu allen rede ich: die ganze Kirche spreche ich als keusche Jungfrau, die der Apostel Christus vermählte folgendermaßen an: Was ihr am Leib Mariens bewundert, das ahmt in den Gemächer eurer Seele nach. |
| qui corde credit ad iustititam, concipit Christum: qui ore confitetur ad salutem (Rm 10,10), parit Christum. |
Wer mit dem Herzen an die (Recht schaffende) Gerechtigkeit (Gottes) glaubt, der empfängt Christus; wer mit dem Mund das Heil (das ihm von Gott her zu teil wird) bekennt, der gebiert Christus. |
| Sic in mentibus uestris et fecunditas exuberet, et uirginitas perseueret. |
In diesem Sinne möge in eurem Geist die Fruchtbarkeit reichlich hervorströmen, und die Jungfräulichkeit Bestand haben. |
Sermo 192,2: Proinde quia ueritas et pax et iustitia Christus est, hunc fide concipite, operibus edite; ut quod egit uterus Mariae in carne Christi, agat cor uestrum in lege Christi. |
Weil deshalb Christus die Wahrheit, der Friede und die Gerechtigkeit ist, empfangt diesen im Glauben, bringt diesen durch eure Werke hervor, so dass, was der Schoß Mariens in bezug auf Christi Fleisch bewirkte, bewirke auch euer Herz in bezug auf das Gesetz Christi. |
| quomodo autem non ad partum uirginis pertinetis, quando Christi membra estis? |
Weshalb solltet ihr in das Gebären der Jungfrau nicht mit eingeschlossen sein, da ihr Glieder Christi seid? |
| caput uestrum peperit Maria, uos Ecclesia. |
Euer Haupt gebar Maria, euch gebar die Kirche. |
| nam ipsa quoque et mater et uirgo est: mater uisceribus caritatis, uirgo integritate fidei et pietatis. |
Denn auch sie (die Kirche) ist sowohl Mutter wie Jungfrau: Mutter durch den Schoß der Liebe, Jungfrau durch die Unversehrtheit des Glaubens und der Frömmigkeit. |
| populos parit, sed unius membra sunt, cuius ipsa est corpus et coniux, etiam in hoc similitudinem gerens illius uirginis, quia et in multis mater est unitatis. |
Völker gebiert sie, aber diese sind Glieder eines einzigen, dessen Leib und Gattin sie selbst ist - auch diesbezüglich gleicht sie jener Jungfrau (Maria), ist sie doch auch in den Vielen die Mutter der Einheit. |
Sermo 195,2 Est ergo et ecclesiae, sicut Mariae, perpetua integritas, et incorrupta fecunditas.
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Es erfreut sich also auch die Kirche wie Maria einer andauernden Unversehrtheit wie auch einer unversehrten Fruchtbarkeit. |
| quod enim illa meruit in carne, haec seruauit in mente: nisi quod illa peperit unum, haec parit multos, in unum congregandos per unum. |
Was Maria dem Fleische nach zustand, das bewahrte die Kirche im Geist; indes, da jene den einen gebar, gebärt diese viele, die durch den Einen (Christus, mit diesem) zur Einheit zusammengeschart werden. |
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