Barry Bernard Hayes: «Augustine and the Wisdom that governs the World» (Haymarket, N.S.W.: Little Red Apple, 2008)Rezensiert von P. Michael Wernicke OSA | Originalbeitrag für ‹www.augustinus.de›
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© Little Red Apple  |
| Bietet Stoff für einen spannenden und anregenden Theaterabend: Das Drama «Augustine and the Wisdom that governs the World» von B. Hayes. |
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Barry Bernard Hayes: Augustine and the Wisdom that governs the World. Haymarket, N.S.W.: Little Red Apple, 2008. 53 p. ISBN: 978-1-8753-2978-6 Inhalt1. AktAlypius dient als eine Art Kommentator, ersetzt den Chor der griechischen Tragödie. Von ihm erfahren wir, dass sein geliebter Freund Augustinus im Sterben liegt. Er erzählt, dass Augustinus viel geschrieben hat, zählt einige Werke auf. Er versucht, Verbindung mit unserer Zeit herzustellen, indem er z.B. Carl Gustav Jung zitiert. Mehrere, auch ausführliche Zitate aus den Confessiones. Mit der 3. Szene beginnt das eigentliche Stück. Patricius, Monnica und Augustinus, wohl eine kleinbürgerliche australische Familie, sitzen im Wohnzimmer, sind gerade mit dem Essen fertig. Vater macht Witze über die Männlichkeit des Sohnes, die er im Bad beobachtet hat. Monnica tadelt: Du machst den Jungen verlegen. Patricius erzählt, dass er den Romanianus als Sponsor fürs Studium des Sohnes gewinnen könnte. «Oh, that ist good news», sagt Monnica, «and kisses him (Patricius)» …Patricius sagt, er müsse jetzt zu Romanianus gehen, Augustin soll mal schön studieren. Monnica bringt Patricius den Mantel und küsst ihn wieder, wie es sich für eine australisch-amerikanische Haus- und Ehefrau gehört. Sie bringt dann dem Augustinus die Lernebücher. Der redet mit ihr über sein Problem, die Existenz des Bösen zu verstehen, setzt auseinander, dass Mani dieses Problem schlüssig gelöst habe, Monnica droht, ihn herauszuwerfen, wenn er weiter sein Heil bei den Manichäern suche. Augustinus erwähnt den Hortensius, klagt über schlechten Stil und primitiven Inhalt des Alten Testaments. Das Ganze schließt mit einer Rückblende auf den Birnendiebstahl. Ach ja, von seiner neuen Freundin erzählt er auch, und Monnica jammert, dass er sie doch nicht heiraten könne, weil sie die Tochter eines «tradesman» sei. 4. Szene spielt in Karthago. Alypius leitet mit einer Lesung aus den Confessiones ein. Augustinus unterhält sich mit Freundin, die stets «Mistress» genannt wird. Monnica ist mit derer beiden kleinen Sohn Adeodat spazieren gegangen. Augustinus klagt über das schlechte Benehmen seiner Studenten, Alypius habe ihn eingeladen, nach Rom zu kommen, er könne auf einem Schiff fahren – gratis –, das dem Vater des Nebridius gehört. Nebridius kommt und drängt zum Aufbruch. Augustin und Freundin kommen überein, dass sie mit Adeodat in Karthago bleiben wollte, damit Monnica nicht so allein sei. Der kleine Possidius ruft von der Straße herauf, ob Adeodat nicht mit ihm spielen wolle. Mit Faustus hat Augustinusbereits gebrochen. Szene endet mit Lesung aus den Confessiones: Monnica am Hafen. Augustinus hat sie getäuscht. 5. Szene. Rom. Augustinus erholt sich von seiner Krankheit. Arbeitet an einer «Probevorlesung» für Mailand. Liest daraus seiner Freundin vor. Alypius kommt. Bringt Bücher Plotins und Porphyrius’ zurück, die ihm A. geliehen hat. Hat Fragen zu diesen Büchern. Augustinus muss aber gehen; denn seine Studenten kommen. Alypius erzählt der Freundin, dass er nur noch dem Namen nach Manichäer sei, dass Augustinus schon in Karthago sich von der Sekte getrennt habe, weil er von Faustus enttäuscht gewesen sei. Alypius gibt zu, dass er dem Augustinus in philosophischen Fragen folge, weil er nicht so viel davon verstehe; aber in der Rechtsgelehrsamkeit sei er gut. Die Szene endet mit einer Lesung der Freundin aus der Bewerbungsrede Augustins. 6. Szene. Mailand. Die Geliebte verabschiedet sich von Augustinus. Es ist echt bewegend. Zitate aus Conf. VI 15, 25. Monnica wird dargestellt als eine, die Mitleid mit den Liebenden hat. Es sei ein seltsames Gesetz, dieses römische Gesetz, sagt sie: Keine Ehe zwischen Angehörigen verschiedener (sozialer) Klassen. Sie erinnert aber daran, dass Augustinus die Formalitäten für eine künftige Ehe mit einer standesgemäßen Frau erledigen soll. Alypius kommentiert abschließend, indem er ausführlich Conf. VI 15 zitiert. 2. Akt1. Szene. Garten in Mailand. Augustinus und Alypius diskutieren noch einmal das Problem des Bösen. Alypius liest aus Porphyrius vor: Das Böse ist Mangel an Sein. Alypius liest weiter: Auch Porphyrius glaubte an eine jenseitige Vollendung dessen, der nach Weisheit sucht. A. verfällt in tiefes Nachdenken. Die Stimme des Kindes, die zum Lesen auffordert; A. greift zu Paulus-Briefen, erklärt, dass er sich taufen lassen will. Alypius zitiert Confessiones, erzählt, wie es weiter ging: Cassiciacum, Thagaste, Hippo. Augustinus Bischof von Hippo, Alypius von Thagaste. Donatisten, Pelagianer. 2. Szene. Hippo. Augustinus hält seine erste Predigt als der neue Bischof der Stadt. Erinnert die Zuhörer daran, dass er weder Priester noch Bischof werden wollte, dass er vielmehr den Frieden gesucht habe in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Diesen Frieden wünsche er der Gemeinde und auch sich selbst. Er will sechs Donatisten und einen donatistischen Bischof in die Kirche aufnehmen. Die Zeremonie wird durch lautes Klopfen an die Tür und von draußen hörbares Geschrei gestört. Alypius hatte vorsorglich eine Wache angefordert. Die kann die Randalierer zerstreuen. Augustinus schickt die Gemeinde trotzdem nach Hause. 3. Szene. Alypius berichtet dem Augustinus, dass Circumcellionen den bekehrten donatistischen Bischof überfallen, geschlagen und für tot liegengelassen haben. Ein anderer Bekehrter habe fliehen und Hilfe holen können. Der Verletzte sei geborgen und lebe. Katholiken hätten allerdings Vergeltung geübt und den Führer der donatistischen Randaliererschar gelyncht. 4. Szene. Zunächst setzt Alypius als Kommentator die Zuschauer über die Zeitumstände ins Bild. Dann spricht er mit Augustinus über den Ärger, den er als Bischof von Tagaste mit den Donatisten hat. Drängt den Freund, etwas zu unternehmen. Die Sekte müsste unterdrückt werden. Augustinus antwortet, dass die auf Rom rückenden Goten, da Arianer, gefährlicher seien als die Donatisten. Er habe darüber Nachrichten von Paulinus von Nola. Augustinus klagt, dass eine 1000jährige Kultur zugrunde geht: «…Where are you, my God … the wisdom that governs the world …» 5. Szene. Es ist die längste des ganzen Stückes und die am stärksten mit den Problemen, die Augustinus beschäftigten, überfrachtete: Es geht um den Fall Roms und Augustins Sorge um die Flüchtlinge und, wenigstens angedeutet, um Augustins Plan, zur Widerlegung heidnischer Vorwürfe gegen die Christen De civitate Dei zu verfassen. Es geht um Pelagius, dessen Lehre sehr verkürzt dargestellt wird. Der Augustinus des Theaterstückes ist vor allem besorgt, dass eine pelagianische Kirche eine Kirche der Vollkommenen und damit eine Minderheitskirche wäre. Nur einmal wird die Leugnung der Erbsünde erwähnt, nie ist das Hauptproblem, das der Gnade, genannt. Schließlich geht es noch um die gewaltsame Unterdrückung der Donatisten. Alypius wird als derjenige dargestellt, der Augustinus nötigt, den diesbezüglichen Antrag der Bischöfe an die Staatsgewalt zu unterzeichnen. Augustinus zögert, weil er voraussieht, dass seine Name dadurch in späteren Zeiten befleckt sein werde, unterschreibt dann aber doch. 6. Szene. Hippo wird von den Vandalen belagert. Alypius, der in Italien gewesen ist, kann sich nach Hippo durchschlagen. Legt dem Augustinus Bücher des Julian von Eclanum auf den Tisch und zieht sich, da müde, zurück. Augustinus bleibt allein, liest in den Büchern. Julian selbst erscheint, sagt, was er von Augustinus hält, nämlich nichts, und das klingt durchaus überzeugend. Augustins Freundin erscheint. Wiederholt die Worte, die sie bei ihrem Abschied gesprochen. Augustinus selbst liest aus den Confessiones: «Spät habe ich dich erkannt…» Eine Glocke ruft ihn in die Kirche. Er hält seine letzte Predigt. Versuch einer KritikEs gibt Szenen in dem Theaterstück, die mir gelungen erscheinen: Der Abschied von der Freundin ist bewegend, überhaupt ist die Darstellung dieser Liebesbeziehung dezent und sympathisch. Auch die Bekehrungszene im Garten von Mailand macht Eindruck. Die Idee, Alypius als Kommentator auftreten zu lassen, der immer wieder Linien bis in die Gegenwart zieht, ist nicht schlecht. Andere Versuche, Augustins Leben in unsere Zeit zu versetzen, erscheinen mir eher komisch. Monnica küsst ihren Gatten, weil er dem Sohn das Geld fürs Studium zu verschaffen verspricht, küsst ihn zum Abschied, holt ihm den Mantel und hilft ihm hinein. Auch Albina, die von ihren Verwandten mit «my dear» angeredet wird, gibt ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter einen Gute-Nacht-Kuss. Das ist wie in einem jugendfreien, familienfreundlichen Hollywood-Film. Dass Augustinus mehrfach mit Mitra, Brustkreuz und Stab dargestellt wird, dass Melania und Pinianus ihn mit dem Titel anreden, mit dem Bischöfe im englischen Sprachbereich angeredet werden («my lord»), sind überflüssige Aktualisierungen. Manche Szenen sind mit Darstellung philosophischer und theologischer Probleme überlastet. Immerhin ist der Versuch gemacht, die Fragen, mit denen Augustinus und seine Welt beschäftigt waren, zu erklären, auch wenn die Erklärung gelegentlich zu kurz greift. Dass die Tragik angesprochen wird, in die die Kämpfe mit Donatisten und Pelagianern den Augustinus brachten, ist wiederum durchaus eindrucksvoll. Augustinus spricht aus, dass grausame Ketzerverfolgungen späterer Jahrhunderte mit seinem Verhalten gegenüber den Donatisten gerechtfertigt werden würden. Und Julian schleudert ihm die Anklage entgegen, dass er körperfeindlich und insofern Zeit seines Lebens ein Manichäer geblieben sei, dass er die Menschen vergiftet habe und in Zukunft vergiften würde mit der obsessiven Furcht vor der gottgegebenen Sexualität. Im Zuschauer wird der Eindruck dieser leidenschaftlichen Rede des Julian haften bleiben. Der wird sicher nicht verwischt durch Augustins letzte Predigt, in der er die Schönheit der Welt und des Lebens preist, die Schönheit der Freundschaft und der Werke, die der Mensch geschaffen hat. Interessierten könnte das Stück, wenn gut auf die Bühne gebracht, einen spannenden und anregenden Theaterabend bereiten. Michael Wernicke OSA
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