Zur christlichen Freundschaft gehören dreiJahresvollversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung in Würzburg im Zeichen eines erfolgreichen JahresVon Regina Einig Würzburg (DT) Hochzufrieden haben die Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung bei der Jahresvollversammlung am vergangenen Samstag im Matthias-Ehrenfried-Haus Bilanz gezogen. Die Augustinerprovinz hat 2006 durch die Anbindung des Zentrums für Augustinus-Forschung an die Würzburger Universität eine solide Grundlage für die Zukunft des Instituts gelegt. Kurz vor Weihnachten 2005 hatten der Würzburger Bürgermeister und Vorsitzende des Vereins Zentrum für Augustinusforschung, Adolf Bauer und Universitätspräsident Axel Haase den Vertrag unterzeichnet. Mitglieder der katholisch-theologischen Fakultät und der philosophischen Fakultät hatten den Schritt unterstützt und ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Der Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung, Wissenschaftsminister Thomas Goppel, konnte neben dem Würzburger Weihbischof Helmut Bauer und Universitätspräsident Haase Professoren beider Fakultäten, und Vertreter des Augustinerordens begrüßen. Die Augustinusforschung in Würzburg dürfte nun auf Dauer gesichert sein. Darüber hinaus zeichnen sich viel versprechende Verknüpfungen zu wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland ab. Die Anbindung des ZAF an die Universität bedeutet auch eine Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung von Professor Cornelius Mayer OSA, dem Herausgeber des Augustinus-Lexikons. Dem Vernehmen nach soll das Projekt 2015 abgeschlossen werden. Festvortrag: Freund und Feind bei Augustinus Der Berner Geschichtsprofessor Stefan Rebenich vergegenwärtigte mit seinem Festvortrag das Bild von Freund und Feind in den Schriften Augustins. Ausgehend vom Briefwechsel des Bischofs von Hippo mit Hieronymus über wichtige Fragen des zeitgenössischen theologischen Diskurses beleuchtete Rebenich den Spannungsbogen christlicher Freundschaften im komplexen Beziehungsgeflecht und Kommunikationsregeln der spätantiken Öffentlichkeit: „Die Briefe, die Hieronymus und Augustinus (..) wechselten, waren keine Privatbriefe, sondern ein ,öffentliches Kommunikationsmittel‘“, so der Referent. Vor allem die bildkräftige Sprache der von Rebenich zitierten Aussagen beider Briefschreiber zog die Zuhörer in ihren Bann. Freundschaften setzten für Christen in der Spätantike die Übereinstimmung in Glaubensfragen zwingend voraus. Der Briefwechsel Augustins mit Hieronymus zeigt, wie stark der Dissens in Einzelfragen die Beziehungen zwischen Christen belasten konnten, auch wenn ein religiöser Grundkonsens bestand. Christliche Freundschaften beruhten zurzeit des heiligen Augustinus auf brüderlicher Liebe, gegenseitigem Wohlwollen, Freimütigkeit und Rechtgläubigkeit. „Die Freundschaft christlicher Theologen setzte die ,recta fides‘ voraus“, unterstrich Rebenich. „Der Rückgriff auf die ,amicitia‘ war somit ein idealer Ausweis des gemeinsamen Bekenntnisses zur Orthodoxie.“ Vor diesem Hintergrund gefährdeten Häresien Freundschaften heftiger als andere Einflüsse. In den Schriften des heiligen Augustinus leuchtet die Idee der brüderlichen Freundschaft in Anknüpfung an neutestamentliche Aussagen auf. Die Wurzel der christlichen Freundschaft ist das Liebesgebot, Freundschaften zu pflegen, stellt Augustinus zufolge eine Form der Caritas dar. Dabei prägten nicht die breiten Schichten der Gesellschaft das individuelle Freundschaftsideal. Vielmehr war Augustinus einem elitären Gedanken verpflichtet: „Die Gemeinschaft einer durch ,concordia‘ zusammengehaltenen Schar intellektueller Christen mit philosophischer Bildung und asketischen Interessen faszinierte gerade den jungen Augustinus ungemein“, erklärte Rebenich. Nur der gemeinsame Glaube schuf die Grundlage für den Dritten im Freundschaftsbund – Christus, der allein wahre Freundschaft zwischen Menschen garantieren konnte. In seinem Gegenüber den Freund Gottes erkennen zu können war daher für die Christen der Spätantike der authentische Freundschaftsbeweis schlechthin. Zur Rechtgläubigkeit gesellten sich im zeitgenössischen Freundschaftsideal andere Kriterien wie Demut, Gelehrsamkeit, Weltverachtung, Selbstverleugnung, für Augustinus insbesondere die Fähigkeit, vernünftig über Erkenntnis diskutieren zu können. Die von Gott begründete und mit Gott vereinende Freundschaft konnte sich folglich nicht an den erstbesten Nächsten richten, sondern nur an den rechtgläubigen Partner. Zentrale christliche Glaubenswahrheiten nicht anzuerkennen bedeutete hingegen nicht nur das unweigerliche Ende der Freundschaft, sondern auch den Verlust des Anspruchs, unter Christen als Gelehrter zu gelten. Nur wer glaubte, galt in den Augen Augustins als wirklich gebildet. Die Pflicht, den Kontakt mit Häretikern zu meiden, widersprach dem Liebesgebot aus der Sicht der Christen in der Spätantike nicht. Abstand bedeutete nicht nur eine nonverbale Form des Aufrufs zur heilsnotwendigen Umkehr, sondern auch Respekt vor der freien Willensentscheidung des Anderen: Nicht die christliche Gemeinde, sondern der Häretiker selbst schloss sich aus ihr aus. Freundschaften im Zweifelsfall um Christi willen aufkündigen zu können, befreite Christen von gesellschaftlichen Konventionen und fruchtlosen Beziehungen: Das in der vorchristlichen Antike gefeierte Ideal einer unzerbrechlichen Freundschaft stieß in der christlichen Kultur an religiöse Grenzen. Prägnant erläuterte Rebenich die Ausdifferenzierung des antiken Freundschaftsbegriffs durch den christlichen Einfluss: Augustins Zeitgenossen unterschieden zwischen weltlichen Freundschaften und der qualitativ höher einzuordnenden geistlichen Freundschaften. Freundschaft setzte die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge zwingend voraus. Der Widerspruch zwischen dem allgemeinen Gebot der Feindesliebe und der Verpflichtung des Einzelnen zur Rechtgläubigkeit konnte, wie Rebenich bilanzierte, im Diesseits nicht überwunden werden. Die Tagespost Regina Einig Juliuspromenade 64 97070 Würzburg Tel.: 0931 / 30 863-35 Fax: 0931 / 30863-33 www.die-tagespost.de
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