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La conversione di Sant' Agostino.

Oratorium in 2 Teilen von Johann Adolf Hasse

Eine Aufführung anlässlich der 1650. Wiederkehr des Geburtstages des hl. Augustinus am 13. November 2004, 19:00 Uhr, in der Augustinerkirche zu Würzburg

Verehrter Herr Bischof Friedhelm, verehrter Herr Weihbischof Helmut! Sehr geehrter Herr Bürgermeister Bauer! Meine Damen und Herren!

Ich darf Sie zu diesem Oratorium anlässlich der 1650. Wie­derkehr des Geburtstages des hl. Augustinus sowohl im Na­men der Deutschen Augustinerordensprovinz wie auch der Diözese und der ebenfalls jubilierenden 1300 Jahre alten Stadt Würzburg, die heute den Tag der offenen Kirchen begeht, sehr herzlich begrüßen.

Was hat der hl. Augustinus mit der Musik zu tun? Sehr viel, denn er war ein Kenner und ein Liebhaber der Musik wie viel­leicht nur wenige seiner Amtskollegen. In seinen ‹Bekenntnis­sen› berichtet er auch über die wenigen Monate, die er nach seiner Taufe in Mailand verbracht hatte. Darin lesen wir: «Und ich ward nicht satt in jenen Tagen ..., die Tiefe deiner Pläne zum Heil des menschlichen Geschlechtes zu betrachten. Wie weinte ich bei deinen Hym­nen und Gesängen, von den süßen Klängen deiner Kir­che heftig bewegt! Es drangen jene Stimmen in mein Ohr und Wahrheit träufte in mein Herz und frommes Empfinden glühte in ihm auf und Tränen rannen und es war mir wohl bei ihnen ... Damals», so heißt es einige Zeilen weiter, «wurde die Ein­richtung getroffen, nach dem Herkommen der morgenländi­schen Kirche Hymnen und Psalmen zu singen, damit das Volk nicht aus Überdruss an Trauer ermatte: von damals hat sich dieser Brauch bis auf den heutigen Tag erhalten und viele, ja fast alle deiner Herden haben ihn auch über den übrigen Erd­kreis hin angenommen».

Ich will keine Vorlesung über Au­gustin und die Musik halten, aber ich denke, es verdient noch erwähnt zu werden, dass der Kirchenvater mit zu jenen Auserlese­nen in der Spätantike gehörte, die in den sogenannten ‹artes›, in den freien Künsten, gebildet waren. Unter ihnen kam der Mu­sik eine zentrale Stellung zu. Noch in Mailand plante er eine viele Bände umfassende Neubearbeitung dieser Künste, von denen uns die ersten sechs Bücher Über die Musik noch erhalten sind. Meisterhaft verstand er es auch als Bischof, die Musik in der kirchlichen Pastoral einzusetzen. Erlauben Sie mir, Ihnen eine Kostprobe zu geben aus seiner Predigt zum Psalmvers 32,3: «‹Singt ihm ein neues Lied: Singt ihm schön!›

Dazu der Prediger: «Schön für Gott singen, heißt mit Jubel singen. Was meint dies, ‹mit Jubel singen›? Einsehen, dass es unmöglich ist, mit Worten zu erklären, was das Herz singt. Denn auch jene, die bei der Ernte oder im Weingarten oder bei irgendeinem sie bewegenden Werk singen, beginnen zwar mit Worten der Lieder ihre Freude kundzutun, weil sie aber von einer solch großen Freude erfüllt sind, dass sie diese nicht mehr in Worte fassen können, verzichten sie auf die Silben der Sprache und wechseln in den Ton des Jubels über. Der Ton des Jubels macht deutlich, dass das Herz gebiert, was es nicht mehr auszusprechen vermag». Und nun fügt der große Theologe, der Augustinus war, hinzu: «Wem aber gebührt dieser Jubel, wenn nicht dem unaussprechlichen Gott? Unaussprechlich ist er, den du nicht in Worte fassen kannst. Kannst du ihn aber nicht in Worte fassen und darfst du über ihn nicht schweigen, was bleibt dir dann übrig, als dass du jubelst, als dass dein Herz sich ohne Worte freue und die unfassbare Freude an den Sil­ben keine Schranken finde? ‹Singt ihm also schön in Jubel›».

Wer wundert sich, wenn Augustinus und sein Leben nicht nur Gegenstand der Wissenschaft, der Literatur und der Dichtung, sondern ebenso auch der Künste, der Malerei, der Bildhauerei und selbst der Musik geworden sind. Vor drei Jahren erst wurde in Wien ein Oratorium von Wolfram Wagner mit dem Titel Augustinus uraufgeführt, und just in diesen Tagen wurde dank der Initiative von Professor Winfried Böhm eine Kirchenoper mit dem Titel Augustinus komponiert, deren Uraufführung auf den 19. März 2005 in der Lukaskirche zu München geplant ist.

Uns ist es aus gegebenem Anlass gelungen, das Oratorium aus der Bach-Zeit, La con­versione di Sant‘ Agostino von Johann Adolf Hasse, heute hier in der Augustinerkirche zum Erklingen zu bringen. Ich begrüße auch in Ihrem Namen die ausführenden Künstler, die Solisten, den Kammerchor und das Barockensemble am Dom unserer Stadt Würzburg unter der Leitung von Ulrich Pakusch, der den erkrankten Domkapellmeister Martin Berger dankenswerterweise vertritt.

Die Erstaufführung dieses Oratoriums fand am Ostersonnabend des Jahres 1750 in der Dresdener Königlichen Schlosskapelle statt. Weitere Aufführungen in Leipzig, Hamburg, Mannheim, Padua, Rom, Riga, Prag, Potsdam und Berlin bezeugen die Beliebtheit des Werkes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun­derts.

Den Hintergrund des Oratoriums bilden die Bekenntnisse Au­gustins. Die geheimsten Regungen seines Herzens ausbrei­tend, beschreibt der Kirchenvater darin seinen Weg als Hin­wendung zu einem vollkommenen Dienst an Gott und damit zur Entsagung und Askese. Maria Antonia Walpurgis, die Verfas­serin des Librettos, komprimierte die Bekehrung auf die Unterwerfung des Willens Augustins unter den Willen Gottes.

Zum Handlungsverlauf in Kürze: Ein Gespräch des Mailänder Priesters Simplizian mit Monnika führt in die Situation ein. Dieser tröstet die besorgte Mutter. Nach Aussprachen mit der Mutter, mit dem Freund Alypius wie auch mit seinem Bruder Navigius gelangt Augustinus allmählich in heftigen Konflikt mit sich selbst. Zwar ist er intellektuell von der Wahrheit der christli­chen Lehre überzeugt, er schreckt jedoch vor der willentlichen Zustimmung zurück. In ihrer Not befragt Monnika Simplizian und Alypius nach dem seelischen Zustand ihres Sohnes. Sie berichten ihr, dass die Zweifel ihren Sohn bereits zur Reue ge­führt hätten. Als er darauf selber naht, ziehen sich alle drei zu­rück. Augustins Schmerz über seine Sünden hat seine Kraft und Liebe zum Guten gesteigert. Ein Gebet der Mutter führt die dramaturgische Wende herbei.

In traditioneller Formgebung des neapolitanischen Soloorato­riums des 17./18. Jahrhunderts bevorzugt Hasse eine gefühls­betont empfindsame Musiksprache, um die Herzen der Zuhö­rer mit ähnlichen Empfindungen zu durchdringen. Aber, über­zeugen Sie sich davon selbst! Lassen Sie sich von dieser schö­nen Musik in jene Stimmung bringen, die sich der hl. Augustinus von der Musik als Kunst erhoffte.

Cornelius Petrus Mayer OSA