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Laudatio des Würzburger Bürgermeisters Dr. Dr. h.c. Adolf Bauer zum 75. Geburtstag von Prof. Cornelius P. Mayer OSA

Geschätzte Eminenzen und Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren,

der heutige Tag steht, wie Sie alle wissen, im Zeichen bedeutender Jubiläen: Vor 1650 Jahren wurde Augustinus geboren, vor 25 Jahren wurde die Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung ins Leben gerufen.

Doch vergessen wir dabei nicht ein weiteres herausragendes Wiegenfest, das mit den beiden genannten in engem Zusammenhang steht: den 75. Geburtstag von Cornelius Mayer, unserem Pater Petrus, der am 9. März 1929 in Weindorf, direkt vor den Toren der Weltstadt Budapest, das Licht der Welt erblickte. Pater Petrus hat unseren Blick freilich in gewohnter Bescheidenheit von seinem eigenen Jubiläum weggelenkt, hin zu den Gedenktagen derjenigen Person und derjenigen Institution, denen er einen Großteil seiner bisherigen Lebenszeit gewidmet hat: Augustinus von Hippo und der „Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung“.

Doch sollten wir als die Freunde, Bewunderer und Mitstreiter von Pater Petrus uns nicht nehmen lassen, ein gebührendes Quantum unserer heutigen Feiertagslaune durchaus auch in seinen Ehrentag zu investieren, wohl wissend, daß dadurch die Summe unserer Festfreude keineswegs gemindert, sondern ganz im Gegenteil noch weiter gemehrt wird. Der erwähnten Bescheidenheit von Pater Petrus wollen wir indes dergestalt Genüge tun, daß wir den Blick auf seine Person am Spiegel seines Engagements für Augustinus reflektieren und somit gleichsam, um mit dem Kirchenvater zu sprechen, „den Schöpfer“, Pater Petrus, „in seinem Geschöpf loben“, also durch eine kurze Reminiszenz seiner Leistungen für die Förderung der Augustinus-Forschung, der alle hier Versammelten sich ja auf je eigene Weise verpflichtet fühlen.

Es war im Verlauf der 60er und 70er Jahre, daß der junge Augustinerpater Petrus im Zuge seiner Promotion und Habilitation über die Zeichenlehre Augustins die Notwendigkeit erkannte und den Plan faßte, der Augustinus-Forschung neue Impulse zu geben und innovative Wege zu erschließen. Zunächst knüpfte der begnadete Wissenschaftsmanager Kontakte zu Gleichqualifizierten und Gleichgesinnten im In- und Ausland und entwickelte im Verbund mit ihnen die Grundlagen eines gewaltigen Projektes: des uns allen weidlich bekannten Augustinus-Lexikons, kurz AL. Da aber selbst das Höchstgeistige in dieser irdischen Wirklichkeit nicht ohne das Handfest-Materielle zu existieren vermag, machte sich Pater Petrus 1979 gemeinsam mit seinem langjährigen Kameraden Reinhold Vöth an die Gründung eines Fördervereins mit dem Namen Freunde des Augustinus-Lexikons e.V. - Vorläufer unserer heutigen Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. Indes mobilisierte Pater Petrus nicht nur intellektuelle, personelle und finanzielle Unterstützung zur Verwirklichung seines großen Plans, sondern bediente sich ebenfalls elektronischer Hilfsmittel: Als einer der ersten Geisteswissenschaftler überhaupt erkannte und nutzte der mittlerweile zum Theologieprofessor in Gießen Avancierte die exorbitanten Möglichkeiten der EDV, indem er sämtliche überlieferten Werke Augustins digital erfassen ließ und damit einen Index schuf, der in der Folgezeit eine gewaltige Resonanz auslöste und sich im Laufe der 80er Jahre zum CAG, zum Corpus Augustinianum Gissense weiterentwickelte, ja geradezu institutionalisierte, das heuer seine zweite Auflage auf CD-ROM erfährt.

Nun hätte man meinen können, mit der weltweiten Rezeption und hervorragenden Rezension dieser beiden geistigen Kinder des Pater Petrus, also mit dem überwältigenden Erfolg von AL und CAG, wären die Ambitionen und Energien des Jubilars erschöpft - doch das Gegenteil war und ist der Fall. Im Jahre 2001 bündelt und ergänzt Pater Petrus seine bisherigen Projekte der Augustinus-Forschung mit der Gründung des ZAF, des Zentrums für Augustinus-Forschung in Würzburg. Damit wurde Würzburg für einen jeden Augustin-Interessierten, was Mekka für jeden frommen Muslim ist: gleichsam ein „Wallfahrtsort“ der augustinischen Gelehrsamkeit. Unter dem Dach des ZAF sind nunmehr nicht nur AL und CAG beheimatet, sondern ebenso eine stattliche Reihe von einschlägigen Studientagen und Publikationen sowie schließlich das Augustinus-Internet-Portal mit der prägnanten Adresse www.augustinus.de. Diese Homepage des Zentrums für Augustinus-Forschung wird tagtäglich von bis zu 500 Internetnutzern aus aller Welt besucht - für eine vergleichsweise spezielle Internet-Seite wie www.augustinus.de eine enorm hohe Zahl. Betrachtet man indes die Fülle und die Originalität der auf dieser Homepage gebotenen Informationen und Serviceleistungen zu Augustinus, seinem Leben, seinem Denken und der auf ihn bezogenen Forschung, vermag diese Zahl denn doch nicht zu verwundern. Ein Besuch bei Pater Petrus - sei es am Dominikanerplatz 4, sei es unter www.augustinus.de - ist eben allemal und allezeit ertragreich und lohnend!

Nun hat der Gelehrte und Geehrte also sein 75stes Wiegenfest gefeiert - ob ihm dies Anlaß sein wird, sich auf seinen geistigen und geistlichen Lorbeeren auszuruhen? Führen wir uns den heutigen Tag mit seinen zahlreichen Höhepunkten und Honoratioren, aber auch mit seinen organisatorischen Mühen im Hintergrund vor Augen, so sind wir gewiß geneigt, diese Frage mit einem überzeugten „Nein“ zu beantworten. Pater Petrus wird sich wohl auch in Zukunft nicht auf seinem stattlichen Lorbeerthron zur endgültigen Ruhe setzen. Doch sei es ihm von dieser Stelle aus herzlich gegönnt und gewünscht, daß er öfter als bisher auf diesem Thron zumindest ein erholsames Päuschen einlegt: denn auch das gelegentliche Rasten auf der Pilgerschaft durch diese Erdenzeit entspricht bekanntlich voll und ganz augustinischem Geist und augustinischer Spiritualität!

In diesem Sinne, lieber Pater Petrus: „ad multos annos!“