Jahresvollversammlung 2002 der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. Die Jahresvollversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. mit ihrem festlichen akademischen Rahmen gehört schon seit etlichen Jahren zu den Höhepunkten der geistig-geistlichen Landschaft Würzburgs. Doch dürfte die diesjährige Ausrichtung der Veranstaltung einen neuen Höhepunkt innerhalb dieser Tradition darstellen: im Hinblick auf die Anzahl und die Prominenz der Gäste, im Hinblick auf die musikalische Umrahmung und insbesondere im Hinblick auf die Inhalte und den Festvortrag der akademischen Feier - doch alles der Reihe nach: Es waren nicht weniger als 150 Personen, die sich am 2. November 2002 im großen Saal des Matthias-Ehrenfried-Hauses eingestellt hatten - neben den Mitgliedern der Gesellschaft auch etliche Gäste und Interessenten aus Nah und Fern. Pünktlich um 11 Uhr eröffneten Harfenklänge die Feier, vorgetragen von der jungen Interpretin Elisabeth Hünnerkopf, die mit dem „Impromptu caprice“ von G. Pierné (1863-1937) die Zuhörer sogleich in ihren zarten Bann zog. Dem daraufhin das Wort ergreifenden, allseits bekannten Vorsitzenden des Vereins, Dr. Thomas Goppel, Mitglied des Bayerischen Landtages, ehemaligem Staatsminister und jetzigem Generalsekretär der CSU, waren Freude und Stolz anzumerken, als er die stattliche Versammlung eröffnete und in gewohnt eloquenter und rhetorisch geschliffener Diktion die Künstlerin lobte und die Anwesenden begrüßte, unter ihnen Frau Staatsministerin a.D. Barbara Stamm, des weiteren die Oberbürgermeisterin der Stadt Würzburg, Frau Dr. Pia Beckmann, den Provinzial der Augustiner, Pater Eric Englert, mit einigen seiner Mitbrüder und Mitschwestern aus der eigenen wie aus weiteren Ordensgemeinschaften, zahlreiche Professoren der Würzburger und auswärtiger Universitäten, hohe Vertreter aus den Ministerien und der Politik sowie schließlich den diesjährigen Festredner: Herrn Prof. Dr.Dr.h.c. mult. Hans Maier, emeritierten Ordinarius auf dem renommierten Romano-Guardini-Lehrstuhl in München, ehemaligen Kultusminister von Bayern und nicht zuletzt profunden Kenner des augustinischen Denkens und dessen Rezeption. Dr. Goppel konnte sich freilich nicht verkneifen, in seine kurzen Grundsatzreflexionen einige Anspielungen auf das aktuelle politische Geschehen einzuflechten - so wolle er der jetzigen Regierung angesichts ihrer Steuerpolitik ins Stammbuch schreiben, was Augustinus in seinen Büchern Über den Gottesstaat kritisch zu bedenken gegeben habe: Was anderes seien die Staaten, wenn ihnen Gerechtigkeit fehle, als „große Räuberbanden“?! Dieser rhetorische und politische Spielball wurde von Frau Dr. Beckmann sogleich behende aufgegriffen. In ihrem Grußwort im Namen der Stadt Würzburg - ein vielbeachtetes Novum innerhalb der Tradition der Jahresversammlungen der Gesellschaft - erklärte die gewandt auftretende Oberbürgermeisterin ihre Freude darüber, dass die hiesige Kultur- und Wissenschaftslandschaft mit Prof. Mayer und seinem Zentrum für Augustinus-Forschung (ZAF) eine vielgerühmte Bereicherung erfahren habe. Doch nun erwartete das Publikum mit gespannter Erwartung den Festvortrag des Tages - und es wurde in der Tat nicht enttäuscht. Prof. Maier widmete sich dem Thema „Politische Theologie - neu besehen (Augustinus, De civitate dei 6,5-12)“ und vermochte schon gleich in den ersten Sätzen die Aktualität der Fragestellung plausibel zu machen, als er die Entwicklung neuerer politischer Theologien von Carl Schmitt bis hin zur Befreiungstheologie skizzierte und auf ihre Brisanz in der gegenwärtigen Diskussion um das Gewaltpotential des Islam bzw. der monotheistischen Religionen hinwies. Im Rekurs auf Augustinus erteilte Maier jeder politischen Theologie im engeren Sinne eine Absage - das gesellschaftliche und staatliche Zusammenleben der Menschen sei ein vorwiegend säkulares Feld -, doch unterstrich er gleichfalls die bleibend gültige Forderung des Kirchenvaters, dass Politik und Staat auf der einen und Christen und Kirche auf der anderen Seite einander unterstützen mögen, da das Gemeinwesen sich ansonsten zu totalisieren oder aber zu banalisieren drohe. Die klaren und klärenden Ausführungen von Maier wurden zu Recht mit viel Applaus bedacht. Nach einem musikalischen Intermezzo ging die Veranstaltung sogleich einem weiteren Höhepunkt der Festlichkeit entgegen: der im Programm angekündigten Würdigung eines verdienten Mitglieds der Gesellschaft. Prof. Mayer enthüllte das sorgsam gehütete Geheimnis um die Person des zu Ehrenden: Es handelte sich um den Verleger des Augustinus-Lexikons und Inhaber des Schwabe Verlages in Basel, Herrn Dr. Urs Breitenstein. Der prominente und erfolgreiche Verleger habe sich durch seinen finanziellen und ideellen Einsatz für die Gesellschaft und durch sein Engagement für das Augustinus-Lexikon herausragende Verdienste erworben. Um ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung zu setzen, sei Herr Dr. Breitenstein - wenn er auch bereits in der Schweiz einigen hochkarätigen Vereinigungen vorstehe - ehrenhalber zusammen mit P. Dr. Robert Francis Prevost OSA, dem Generalprior des Augustinerodens, in das Kuratorium der Gesellschaft berufen worden. Der solcherart Geehrte zeigte sich ebenso überrascht wie erfreut über die Auszeichnung und beteuerte, er habe im Grunde nur seine Pflicht getan. Nicht ihm, sondern vielmehr dem Projekt Augustinus-Lexikon und dem Projektleiter Prof. Mayer gebühre eigentlich das Lob. Nach diesen Glanzpunkten wurde das Saal sodann in den notwendigen Verwaltungsalltag eines jeden Vereins zurückgerufen: Die Regularien der Mitgliederversammlung der Gesellschaft standen auf der Tagesordnung, die dank des straffen Regiments des Vorsitzenden zügig abgewickelt wurden: Eröffnung, Gedenken der Verstorbenen, Bestätigung des Protokolls der vergangenen und der Tagesordnung der aktuellen Vollversammlung, Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer über die finanziellen Belange des Vereins, Entlastung des Vorstandes sowie Aufnahme und Begrüßung neuer Mitglieder. Schließlich wurde es noch einmal inhaltlich spannend: Prof. Mayer informierte in einigen Sätzen über den Fortgang der von der Gesellschaft finanzierten oder unterstützten Augustinus-Forschungsprojekte und unterstrich dabei besonders die Publikumswirksamkeit des Internetportals www.augustinus.de, das täglich um die zweihundert Besucher zähle - eine für ein solch spezielles Angebot bemerkenswert hohe Zahl. Abgesehen vom zügigen Fortgang der Edition des Augustinus-Lexikons konnte er auch über die kurz vor ihrer Vollendung stehende zweite Auflage des Corpus Augustinianum Gissense (CAG) auf CD-Rom berichten. Erfreulich und zukunftsverheißend entwickele sich zudem die im Verbund mit dem Land Bayern und mit Unterstützung durch den Würzburger Bischof geplante und auf den Weg gebrachte Anbindung des Zentrums für Augustinus-Forschung an die Universität Würzburg. Dieses Zentrum, durch dessen vor anderthalb Jahren erfolgte Gründung Prof. Mayer die verschiedenen Projektstränge seiner Augustinus-Forschung bündeln konnte, soll den rechtlichen Status eines sogenannten „An-Institutes“ erhalten; die Autonomie der Einrichtung und ihres Leiters soll gleichwohl weitestmöglich gewahrt bleiben. Ein moderneres Harfenstück, wiederum brillant vorgetragen von Frau Hünnerkopf, komplettierte zu guter Letzt den feierlichen Rahmen der Versammlung. Der Einladung zum anschließenden Empfang und zur Unterhaltung bei Mittagessen und Wein und bei Kaffee und Kuchen wurde von zahlreichen Anwesenden entsprochen. Noch bis weit in den Nachmittag hinein wurden neue Bekanntschaften geschlossen und alte Freundschaften gepflegt - und nicht selten hörte man das Kompliment, die diesjährige Vollversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Augustinus-Forschung e.V. habe an Glanz wie an Substanz keine Wünsche offengelassen.
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