Der Schriftsteller und sein immenses literarisches Werk (3)e) Die epochalen Hauptwerke
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| Augustinus beim Verfassen von De ciuitate dei N. Polano, 1459 |
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Aus dem augustinischen Oeuvre ragen drei Schriften hervor, die Confessiones (13 Bücher), Der Gottesstaat - De ciuitate dei (22 Bücher) und Über die Dreinigkeit - De trinitate dei (15 Bücher). Man fragt sich, woher Augustin bei seinen vielseitigen Amtsgeschäften überhaupt noch die Zeit nehmen konnte, so umfangreiche und theologisch tiefsinnige Werke zu schreiben. "Die dreizehn Bücher meiner Bekenntnisse", so faßt er in seinen Retractationes (2,6) Inhalt und Ziel dieser Weltliteratur gewordenen Autobiographie zusammen, "preisen Gott, den Gerechten und Guten, um des Bösen und des Guten willen, das ich in mir gefunden, und sie lenken das menschliche Sinnen und Trachten auf ihn hin. Was mich betrifft, so erfuhr ich dies schon beim Schreiben, und ich erfahre es immer noch beim Lesen. Was andere davon halten, das mögen sie selbst sehen. Ich weiß jedoch, daß sie vielen Brüdern gefallen haben und immer noch gefallen". Es ist für das Verständnis der Confessiones nicht unwichtig zu wissen, daß Augustin unmittelbar vor ihrer Abfassung (397-401) in der für seine geistige Entwicklung ungemein wichtigen Schrift Über verschiedene Fragen an Simplician (um 396) sich über die dominierende Rolle der Gnade im Leben des Menschen Klarheit verschafft hatte. Seine dabei gewonnenen neuen Einsichten dürften ihn nicht nur zur Abfassung seiner Bekentnisse entscheidend motiviert haben, sie prägen die Confessiones vom ersten bis zum letzten Satz.
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| Manuskriptseite von De ciuitate dei Anonymus (15. Jahrh.) |
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Am 24. August 410 besetzte Alarich mit seinen Westgoten Rom. Da sich auf diese nationale Katastrophe hin der Druck der Heiden, speziell der Gebildeten, auf das Christentum verstärkte, dem man die Schuld dafür anlastete, sah Augustin als der Wortführer der Christenheit sich verpflichtet, seine größte apologetische Schrift, De ciuitate dei - Von der Bürgerschaft Gottes, in Angriff zunehmen. Das auf 22 Bücher konzipierte "große und überaus schwierige Werk - magnum opus et arduum" (ciu. 1,8) erschien von 413-427 nach und nach in Abschnitten. Schon beim Erscheinen der ersten Lieferung beeindruckte es die Leser, von denen kein geringerer als Macedonius, Prokonsul in Afrika, sich fragte, was er am Verfasser dieses Werkes mehr bewundern solle, dessen priesterliche Vollkommenheit oder dessen philosophische Ansichten, die Fülle seines historischen Wissens oder den Reiz seiner Beredsamkeit (ep. 154,2). Die ersten 10 Bücher führen den Nachweis, daß nicht die Christen, sondern die Dekadenz der Heiden die Römische Kultur in den Abgrund geführt habe, während die Bücher 11-22 ein geschichtstheologisches Panorama entwerfen und das gesamte Weltgeschehen von Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht aus christlicher Sicht als Dualität des 'Gottesstaates' und des 'Erden- bzw. Teufelsstaates' entwickeln und deuten Augustin besaß die seltene Fähigkeit
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| Augustinus , das Kind und das Geheimnis der Trinität (legendär) P.P. Rubens (1577-1640) |
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genialer Geister, bei wachsender Belastung noch Größeres zu leisten. Für gewöhnlich arbeitete er gleichzeitig an mehreren Themen. So hatte er, als er mit der Abfassung von De ciuitate dei begann, sein spekulativstes Werk, De trinitate, schon 14 Jahre lang unter seiner Feder. Nach seiner Fertigstellung bemerkte er, er habe es bereits "als junger Mann" begonnen und erst "als Greis" - 20 Jahre später - zum Abschluß gebracht (ep. 174). Da er die Lektüre dieses Opus nur einer theologisch und philosophisch vorgebildeten Leserschaft zutraute, wollte er es nicht wie andere seiner umfangreicheren Schriften in Teilen, sondern nach einer endgültigen redaktionellen Bearbeitung als ganzes herausgeben. Da diese elitäre Leserschaft den Abschluß des Werkes jedoch kaum abwarten konnte, entwendete man ihm einfach die ersten 12 Bücher, ehe die restlichen 3 geschrieben waren (retr. 2,15). De trinitate bildete den Höhepunkt in Augustins theologisch-schriftstellerischem Schaffen. Mit diesem Werk hat er die abendländische Trinitätslehre bis in unsere Zeit herein nicht nur beeinflußt, sondern auch beherrscht.
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