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Schwester Maria Julitta Ritz (1882 bis 1966)

Theresia Eleonora Ritz wurde als siebtes von zehn Kindern der Bauersleute Alois und Maria Eva Ritz, geborene Bär, am 24. September 1882 in Uissigheim bei Tauberbischofsheim (Erzdiözese Freiburg) geboren. Ihre Jugend verbrachte sie in Veitshöchheim, wo die Eltern 1894 einen Hof erworben hatten. Im Sommer half sie in der Landwirtschaft, in den Wintermonaten besuchte sie eine Handarbeitsschule. 1901 trat sie in die Kongregation der Schwestern des Erlösers in Würzburg ein und wurde an der Lehrerbildungsanstalt Aschaffenburg zur Grundschullehrerin ausgebildet. Nach der Einkleidung 1905 war Schwester Maria Julitta, so ihr Ordensname, vier Jahre als Volksschullehrerin in Obernau bei Aschaffenburg tätig.
Schwester Maria Julitta Ritz
(1882 bis 1966)
Ab 1909 wirkte sie als Lehrerin an der Haushaltungsschule im Kloster Maria Schnee in Lülsfeld, von 1910 bis 1940 an der Ausbildungsschule des Ordensnachwuchses im Würzburger Mutterhaus. Im Nationalsozialismus wurde dem Kloster die Aufnahme neuer Schülerinnen untersagt und Schwester Julitta musste ihre Lehrtätigkeit aufgeben. Die folgenden 26 Jahre leistete sie Dienst an der Pforte in der Ebracher Gasse. Dort galt ihre Sorge Armen, heimkehrenden Soldaten und Flüchtlingen. Außerdem rief sie einen Paketdienst für die vom Krieg Betroffenen ins Leben. Sie starb am 13. November 1966 und wurde auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt. 1983 wurden ihre Gebeine in die Vorhalle der Kapelle des Mutterhauses überführt.

Einfluss auf Schwester Julittas geistigen Weg übten unter anderem die mystisch begnadete Mitschwester Maria Helinanda Geßner, der Spiritual der Kongregation Konrad Hock, der Salzburger Theologieprofessor Dr. Alois Mager OSB sowie der Münnerstädter Novizenmeister Pater Alban Beck OSB aus.

Schwester Julitta verband in ihrem Wirken eine intensive, Gott zugekehrte Mystik mit einer charismatischen Weltzugewandtheit. „Wer um ihre mystische Begnadung wusste und sie im Alltag beobachten konnte, war überrascht und erbaut von der natürlichen Art, schlichten Selbstverständlichkeit und Vorbehaltslosigkeit, womit sie sich ihren Außenaufgaben widmete.“ (Pater Dr. Andreas M. Back)

Hohes Ansehen genießt die Schwester als Vorbild im Gebet. Die Würzburger Diplomtheologin Barbara Schraut bezeichnete sie in einem Vortrag als „eine Mystikerin des 20. Jahrhunderts". Mit ihrer Marienverehrung sei es ihr gelungen, die in der Kongregation gepflegte Verehrung des Herzens Jesu und Mariens für das 20. Jahrhundert zu interpretieren und neu zu fassen. Schwester Julitta habe die Mystik von Teresa von Avila und Alfons von Liguori ernstgenommen und versucht, aus der Beschauung heraus aktiv zu leben.

Nach Auffassung von Bischof Dr. Paul-Werner Scheele ist sie „anders als manche Theologen, die meinten, mystische Gnaden seien nur wenigen auserwählten Seelen vorbehalten, der Ansicht gewesen, diese beträfen alle Christen“. Wichtig sei ihr nach Auffassung des Bischofs gewesen, dass Christus nicht erst im Sterben, sondern bereits im Leben zu den Menschen kommen wolle. Schwester Julittas Überzeugung war: Erst wer betend zu Gott findet, kommt wahrhaft zu sich selbst. Aus dieser Erfahrung versuchte sie, anderen Gebetshilfe zu vermitteln. "Von Gott bewegt den Menschen dienen und dabei das heilige Antlitz Gottes nicht aus den Augen verlieren" sei ihr Lebensprogramm gewesen, sagte Bischof Dr. Paul-Werner Scheele beim Gedenkgottesdienst zum 20. Todestag. Das Geheimnis ihres Lebens konkretisiere sich in dem Satz, den sie in der Eucharistie vor ihrer Todesstunde vernahm: "Gib mich den anderen!"

1986 wurde in Würzburg der Seligsprechungsprozess eröffnet. Postulator war zunächst Pater Ildefons Dietz OSA (Münnerstadt) und ab 1993 Pater Dr. Heribert Niederschlag SAC (Vallendar). Bereits 1982 hatte Bischof Dr. Paul-Werner Scheele in Rom die Einleitung des Seligsprechungsprozesses beantragt. Nach Zeugenbefragungen und Prüfung ihrer Schriften wurden am 14. Juli 1985 bei der Kongregation für Heiligsprechungen in Rom Gutachten und Akten über ihr Leben und Wirken vorgelegt. Das Ende des Prozesses steht noch aus.

Jerzy Staus

Literaturauswahl:
+“Schwester Maria Julitta Ritz: Ihr geistliches Vermächtnis, hrsg. Andreas M. Back CMF. Volkach 1970.
+Schwester Maria Julitta Ritz. “Unser Gebet.“, hrsg. Bischof Dr. Paul-Werner Scheele, Würzburg 1989.
+Schwester Maria Julitta Ritz. “Meine geistliche Entwicklung:Aufzeichnungen aus dem Jahr 1924, hrsg. Paul-Werner Scheele. Würzburg 1993.
+„Die neuen Heiligen: Große Christen auf dem Weg zur Heiligkeit oder Seligsprechung“, hrsg. Günter Beaugrand, Augsburg 1991, 328 Seiten.

Kontakt:
Julitta-Archiv, Sekretariat der Kongregation der Schwestern des Erlösers, Ebracher Gasse 6, Postfach79, 8700 Würzburg 11, Tel. 0931/390140.