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Die Fürstbischöfe aus dem Hause Schönborn

 Mit dem Namen der Schönborns verbindet sich in Franken eine Zeit des Wohlstands, des inneren und äußeren Friedens und der barocken Prachtentfaltung. Das seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugte Rittergeschlecht gehört dem rheinischen Uradel an. Seit 1633 waren die Schönborns Reichsfreiherren, 1701 wurden sie in den Reichsgrafenstand erhoben. Ihre Politik an den Schaltstellen der Macht in Wien, Mainz oder Trier hatte seit 1648 als oberste Maxime, Frieden zu sichern. Sie verkörperten den Archetypus des geistlichen Barockfürsten. Eine der brillantesten und politisch wirkungsvollsten Persönlichkeiten war Friedrich Carl, Erzbischof von Bamberg und Bischof von Würzburg, sowie Vizekanzler des heiligen römischen Reiches deutscher Nation.

 

 

 

Literatur:

 

+Hermann Maué / Sonja Brink (Hg.). Die Grafen von Schönborn: Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene. Katalog zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vom 18. Februar bis 23. April 1989.

+Gatz, Erwin (Hg.). Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches 1648 bis 1803. Berlin: Duncker & Humblot 1990.

 

 

 

 

Johann Philipp von Schönborn (1605-1673)

 

Fürstbischof von Würzburg und Worms und Kurfürst und Erzbischof von Mainz

 

 

 

Johann Philipp wurde am 6. August 1605 auf dem Schönbornsitz zu Eschbach im Taunus (heute Laubuseschbach) als ältester Sohn des kurmainzischen Amtmanns Georg von Schönborn und seiner Frau Barbara von der Leyen geboren. 1619 empfing er in Mainz die niederen Weihen, 1621 war er Domizellar in Würzburg, 1625 in Mainz. 1629 wurde er nach juristischen Studien in Würzburg, Siena, Mainz und Orléans Domkapitular in Würzburg und 1630 in Worms. Die Jahre 1631 bis 1634 verbrachte Johann Philipp in Köln, wo er den Jesuitenpater Friedrich Spee kennenlernte, der ihn tief beeindruckte. Am 16. August 1642 wurde er Bischof von Würzburg, 1647 Erzbischof und Kurfürst von Mainz und 1663 Bischof von Worms. Damals nicht ungewöhnlich wurde er erst fast drei Jahre nach seiner Wahl zum (weltlichen) Fürstbischof zum Priester geweiht.

 

 

 

Seine Politik war primär auf Beendigung des Dreissigjährigen Krieges und auf Friedenssicherung bedacht. Im Reich verfolgte Johann Philipp eine Politik der Neutralität. Auf dem Reichsdeputationstag von 1643 bis 1645 setzte er sich dafür ein, religiöse Gegensätze aus politischen Verhandlungen herauszuhalten. Er galt als Mann des Ausgleichs und war 1648 maßgeblich am Zustandekommen des Westfälischen Friedens beteiligt. Bei der Bildung des Rheinbundes 1658 im Anschluss an die langwierige Kaiserwahl von 1657/58 verfocht er die Rechte der kleineren Reichsstände. Seine Zeitgenossen nannten ihn „des Reiches weisen Salomo“ und „den deutschen Cato“.

 

 

 

Als Landesherr machte sich Johann Philipp an die Behebung der Kriegsschäden und erneuerte die Bistums- und Justizverwaltung, das Schul- und Bildungswesen und die Seelsorge. Um dem Priestermangel zu begegnen und den Klerus zu verbessern rief er die Bartholomiten nach Würzburg und Mainz. 1654 übernahmen sie die Leitung des Würzburger Priesterseminars und 1660 die des von ihm gegründeten Münnerstädter Gymnasiums. Unter dem Einfluss Friedrich Spees ließ er, als einer der ersten deutschen Fürsten, die Hexenprozesse einstellen.

 

 

 

Gegenüber Protestanten verfolgte Johann Philipp eine Politik der Toleranz und beschäftigte evangelische Künstler, Gelehrte und Diplomaten bei Hofe. Mit seinen Ideen zu einer katholisch-evangelischen Glaubensunion war er seiner Zeit weit voraus. Maßgeblich leitete er die Epoche des süddeutschen Barocks ein.

 

 

 

Am 18. Februar 1673 starb Johann Philipp von Schönborn an einer Infektion der Atemwege. Das Ende seiner Friedenspolitik mit der Reichskriegserklärung an Frankreich ein Jahr nach seinem Tod musste er nicht mehr erleben.

 

 

 

Literatur:

 

+Meyer, Otto. Johann Philipp von Schönborn: Ringen um den Frieden. In: Der Warttum 8,(1973) S. 1-3.

 

 

 

 

Johann Philipp Franz von Schönborn (1673-1724)

 

Fürstbischof von Würzburg

 

 

 

Johann Philipp Franz wird historisch ambivalent beurteilt. Bei der Bevölkerung wenig beliebt und reichspolitisch unbedeutend, war er doch ein bedeutender Förderer der Architektur und Wirtschaft. Als viertes Kind und erster Sohn des kurmainzischen Oberhofmeisters, Staatsministers und kaiserlichen Geheimen Rates Melchior Friedrich von Schönborn und dessen Ehefrau Maria Sophia von Boineburg wurde er am 15. Februar 1673 in Würzburg geboren.

 

 

 

Mit seinem Bruder Carl besuchte er ab 1681 das Jesuitengymnasium in Aschaffenburg. 1682 wurde er in Würzburg, 1687 in Bamberger Domizellar. Bis 1698 verlief der Lebensweg der Brüder weitgehend parallel. Beide studierten in Würzburg und Mainz (1687-1690) und am Collegium Germanicum in Rom (1690-1693). Diplomatische Erfahrungen sammelte Philipp Franz in den Niederlanden, England und Frankreich. Bleibenden Eindruck hinterließen die Schlossbauten und Parkanlagen von Versailles und Marly, die als Vorbild für seine Projekte in Würzburg dienten. Anders als sein Bruder widmete sich Philipp Franz von vornherein mehr geistlichen Aufgaben. 1694 erhielt er ein Kanonikat im Bamberger, 1699 im Würzburger Domkapitel. Im gleichen Jahr wurde er Propst am Sankt Bartholomäus-Stift in Frankfurt.

 

 

 

1696 empfing Philipp Franz die niederen Weihen. Unstimmigkeiten erweckte seine Bewerbung um die Würzburger Dompropstei 1703/04. Die Wahl wurde wegen Formfehlern angefochten und auch die zweite Wahl 1704 blieb umstritten. In der Folge blieb sein Verhältnis zum Domkapitel und zu Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenklau gespannt. Dennoch ging er mit voller Energie an seine Aufgabe. Da er trotz seiner Wahl zum Dompropst von Mainz 1714 in Würzburg blieb und seine ganze Arbeitskraft einsetzte, konnte er seine Gegner im Domkapitel allmählich überzeugen. So wurde er nach Fürstbischof Greiffenklaus Tod am 18. September 1719 einstimmig zu dessen Nachfolger gewählt. Diakonats- und Priesterweihe erhielt er am 22. und 25.Juli 1720, die Bischofsweihe durch seinen mächtigen Großonkel, Erzbischof Lothar Franz von Schönborn, am 10.November 1720. Dieser hatte eigentlich seinen Bruder Friedrich Carl favorisiert und kritisierte in der Folgezeit wiederholt seine Regierung.

 

 

 

Die rigorose Durchsetzung seiner Reformideen verschaffte Philipp Franz viel Feinde und scheiterte letztlich an der Kürze seines Episkopats. Heftige Steuererhöhungen zur Finanzierung des aufgestockten Verteidigungsetats brachten ihm den Unmut der Bevölkerung ein. Auf der anderen Seite förderte er die Wirtschaft: Er führte 1720 eine neue Handwerksordnung ein, brachte den Obstanbau und die Seidenraupenzucht voran und unterstützte den Ausbau der Mainschiffahrt. Auf geistlichem Gebiet bemühte er sich um die Sonntagsheiligung und Marienverehrung. 1720 legte er den Grundstein für die Würzburger Residenz, an deren Entwürfen er sich in Zusammenarbeit mit Balthasar Neumann persönlich beteiligte. 1721 ließ er den Bau der Schönbornkapelle am Dom beginnen und baute die Schlösser Veitshöchheim und Guttenberg um.

 

 

 

Nach einem Jagdausflug erlitt Philipp Franz bei Löffelstelzen nahe Bad Mergentheim am 18. August 1724 einen Kreislaufzusammenbruch, an dessen Folgen er starb. Sein plötzlicher Tod ließ das Gerücht aufkommen, er sei vergiftet worden, doch konnte dies durch eine Obduktion nicht bestätigt werden.

 

 

 

Literatur:

 

+Domarus, Max. Würzburger Kirchenfürsten aus dem Hause Schönborn, [] 1951, S. 107-153.

 

 

 

 

Friedrich Carl von Schönborn (1674 –1746)

 

Fürstbischof von Würzburg, Erzbischof von Bamberg, Reichsvizekanzler

 

 

 

Friedrich Carl, am 3. März 1674 in Mainz geboren, war der zweite Sohn von Melchior Friedrich von Schönborn. Ab 1681 besuchte er das Aschaffenburger Jesuitengymnasium und wurde 1683 in Würzburg, 1685 in Bamberg Domizellar. 1701 empfing er in Frankfurt die niederen Weihen, 1704 nahm ihn das Würzburger, 1705 das Bamberger Domkapitel auf.

 

 

 

Lothar Franz setzte Friedrich Carl nach dem Studium in Würzburg, Mainz und Rom und diplomatischen Aufgaben in Polen, Schweden, Preußen, Kursachsen und Österreich 1705 gegen große Widerstände als Reichsvizekanzler durch. In diesem Amt vermittelte er erfolgreich zwischen Kaiser und Papst im Spanischen Erbfolgekrieg. Seine Karriere setzte sich, wenn auch nicht ohne Hindernisse, weiter fort. Das Vertrauen der Habsburger sicherte er sich durch die Sanierung der heruntergewirtschafteten, von Intrigen bestimmten Hofkanzlei. Der Kaiser belohnte ihn dafür mit Lehen in Österreich und Ungarn. Rom dagegen missfiel seine Unterstützung der antipäpstlichen Politik Josefs I. Erst 1710 bestätigte die Kurie daher Friedrich Carl als Koadjutor in Bamberg. Gravierender war jedoch, dass es Lothar Franz misslang, seinen Neffen als Nachfolger in Mainz durchzusetzen. Seine Kaisertreue war seiner geistlichen Karriere hinderlich.

 

 

 

Der politisch geradlinige, reichsverbundene Friedrich Carl ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Durch seinen Einfluss verhielt sich Deutschland im Nordischen Krieg abwartend und konnte so eine Ausweitung der Kämpfe verhindern. Er half mit, im Frieden von Rastatt und Baden 1714 die Differenzen zwischen Kaiser und Papst beizulegen. Für Habsburg bemühte er sich um die allseitige Anerkennung der „Pragmatischen Sanktion“ von 1713.

 

 

 

Bei der Neubesetzung des Würzburger Bischofsstuhls 1719 musste Friedrich zugunsten seines älteren Bruders zurückstehen. Auch nach dessen plötzlichem Tod 1724 blieb er zunächst chancenlos. Seine Karten verbesserten sich jedoch schlagartig, als er 1725 entscheidend beim Abschluss eines für den Kirchenstaat günstigen Friedensvertrages zwischen Österreich und Spanien mitwirkte. 1727 wählte ihn das Würzburger Domkapitel zum Dompropst. Nach dem Tod von Lothar Franz wurde er 1729 Erzbischof von Bamberg; ein knappes halbes Jahr später, am 18. Mai 1729, Bischof von Würzburg.

 

 

 

Seine Regierungszeit wurde in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zu einem Höhepunkt in der Geschichte Frankens. Dem religiösen Leben gab er Akzente durch Bau und Renovierung von rund 100 Kirchen allein im Bistum Würzburg und durch die Neuordnung des Theologiestudiums. Er versuchte das Niveau des Klerus zu heben und führte 1736 das „Ewige Gebet“ ein. Seine Seelsorgetätigkeit wurde wiederholt durch päpstliches Lob ausgezeichnet.

 

 

 

Seine Reformen in Justiz, Verwaltung und Wirtschaft waren von frühaufklärerischem Geist geprägt. Die zentralisierte Regierung der Hochstifte sorgte für Rechtssicherheit. Auch die Reform der Gerichtsverfahren und die „Entkorrumpierung“ der Beamten zielte auf eine gerechtere Regierung. Seine Finanz- und Wirtschaftspolitik waren am Gemeinwohl orientiert. Prachtbauten wie die Residenz von Würzburg und das Schloss in Werneck, reich ausgestattete Kirchen wie die Münsterschwarzacher Abteikirche oder die Wallfahrtskirche Gößweinstein waren nicht nur Folgen des Schönbornschen „Bauwurms“. Sie waren auch Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung. Die Schönbornschen Lande profitierten von der friedlichen Regentschaft und Wohlstand auf breiter Basis setzte sich durch. Die Universität. besonders die medizinische Fakultät und die Naturwissenschaften, wurde von Friedrich Carl massiv gefördert und liberalisiert.

 

 

 

Er starb nach kurzer Krankheit am 26. Juli 1746 in Würzburg. Mit ihm kam die Reihe der bedeutenden Schönbornfürsten, die mit Johann Philipp begonnen und mit Lothar Franz ihren Höhepunkt erreicht hatte, zum glanzvollen Abschluss.

 

 

 

Jerzy Staus

 

 

 

Literatur:

 

+Friedhelm Jürgensmeier, Friedrich Karl von Schönborn (1674-1746). In: Fränkische Lebensbilder, hg. Wendehorst, Alfred und Gerhard Pfeiffer, Bd. 12, Neustadt an der Aisch: [] 1986, S. 142-162.