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Rudolf von Scherenberg ( ca.1401/02 – 1495)

Fürstbischof von Würzburg und Herzog zu Franken

Rudolf von Scherenberg wurde ungefähr 1401/1402, wahrscheinlich in Frankenwinheim, als Sohn von Erhard von Scherenberg und Anna von Maßbach geboren. Die Familie gehörte zu den Ministerialen des Hochstifts Würzburg, die Scherenburg bei Oberschwappach oder die heutige Ruine auf dem Scherenberg bei Zeil am Main war ihr Stammsitz. Rudolf studierte in Leipzig, Heidelberg und Rom und erhielt 1427 eine Pfründe in Würzburg, ab 1436 war er Domherr. 1444 wurde er Mitglied des Oberrates (Vertretung bischöflicher Interessen in der Stadt), 1450 Scholaster (Leiter der Domschule). Von 1439 bis 1466 war er domkapitelischer Cellerar und Richter, ab 1457 Prokurator des Franziskanerkonvents. Archidiakon war er für die Bezirke Ochsenfurt und Mergentheim sowie Oberpfarrer von Eßleben. 1458 fungierte er als Generalvikar des Fürstbischofs Johann von Grumbach, dessen Nachfolger er am 30. April 1466 wurde.

Scherenberg war ein Verlegenheitskandidat, da sich Wettiner und Wittelsbacher nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Das Domkapitel hoffte, in ihm einen „wandelnden Leichnam“ zu wählen, der bald sterben und dem fast bankrotten Bistum seinen Reichtum vermachen würde. Doch der 65jährige überlebte sie alle, er wurde mit über 90 Jahren etwa doppelt so alt wie die meisten seiner Zeitgenossen. Am 20. Juni gab Papst Paul II. seine Zustimmung und am 28.September wurde Scherenberg zum Bischof geweiht.

Seine Regierung zielte auf Ausgleiche und Friedensschlüsse. Das vom Ruin bedrohte Hochstift sanierte er durch Sparsamkeit und den von Friedrich III. zugestandenen Weinzoll. So konnte er verpfändete Ämter und Vogteien auslösen, weitere Güter dazu kaufen und eine rege Bautätigkeit entfalten. Viele Kirchen entstanden oder wurden renoviert, die Feste Marienberg ausgebaut. Für die Errichtung der steinernen Mainbrücke (1488 vollendet) lieferte eine Weinsteuer das Geld, Brückenzoll sicherte den Unterhalt. Zur römischen Kurie pflegte Scherenberg gute Beziehungen, besonders zu Kardinal Franz Piccolomini, dem späteren Papst Pius III. Auf der Mainzer Provinzialsynode 1478 widersetzte er sich jedoch der Kreuzzugsbulle von Papst Sixtus IV. und den damit verbundenen Steuern. Den eitlen Domherren befahl Scherenberg, die prunkvollen Gewänder gegen einfache dunkle Kleidung zu tauschen und die Tonsur wieder offen zu tragen, damit sie als Priester zu erkennen waren. Für das nutzlos gewordene Rittertum, das sich mehr und mehr zum Raubrittertum auswuchs, gründete er das Ritterstift Sankt Burkard. Dessen Mitglieder erhielten Unterhalt und durften regelmäßig Turniere auf dem Marktplatz und hinter dem Dom veranstalten.

Seine Regierung prägte ein rationaler Zug, der Blick für das Machbare. Seine Ziele waren geordnete Verhältnisse, solide Finanzen, moderne Verwaltung, Wohlergehen der Bevölkerung, Schutz vor kriegerischen Übergriffen sowie vorsichtige Reformen im Klerus und den verlotterten Klöstern. Er verbesserte die theologisch-exegetische Ausbildung und förderte die Reformen der Orden im Sinne der Bursfelder und Windesheimer Bewegungen. Zukunftsweisend wurde er durch die Einführung des Buchdruckes im Bistum. Praktische Bedeutung hatten besonders die von ihm herausgebrachten Breviere, Agenden, Missalien und Synodalstatuten. Dass sein Reformwerk nicht von Dauer war, schreibt der Kirchenhistoriker Klaus Wittstadt der mangelnden Einsicht der Geistlichkeit der Zeit zu.

Unter Scherenbergs Episkopat trat Hans Böhm in Erscheinung, der als Pfeiferhänsle oder Pauker aus Niklashausen bekannt geworden ist. Der junge Hirte behauptete, dass ihm die Jungfrau Maria erscheine und forderte die Menschen auf, sich von der Kirche abzuwenden, da auch er Sünden vergeben und alle zum Heil führen könne. An manchem Sonntag lauschten mehr als 40.000 Menschen seinen stark sozialkritisch gefärbten Predigten. Als er seine Jünger aufforderte, beim nächsten Treffen mit Waffen zu erscheinen, wurde es dem Fürstbischof zu bunt. Er schickte Reiter, die Böhm nach Würzburg brachten. 30.000 seiner Anhänger belagerten daraufhin erfolglos die Festung. Zu den Schattenseiten von Scherenbergs Regierung zählt, dass Böhm 1476 ohne Prozess als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. – Ähnlich rigoros ging er mit den Juden um: Christen durften bei ihnen keine Wohnungen mieten, 1477 erließ er ein Mandat gegen den ”Wucher der Juden” und 1488 vereinbarte er mit den Markgrafen von Brandenburg, auf 20 Jahre keine Juden mehr in ihren Gebieten zu dulden.

Um die Sicherheit seines Stifts war er sehr bemüht. Er gründete eine Landwehr und unterstützte den kaiserlichen Landfrieden. Scherenberg stabilisierte in einer unruhigen Epoche sein vom Untergang bedrohtes Hochstift. Er war aber nicht frei von Härte und eher auf Erhaltung als auf grundlegende Erneuerung ausgerichtet. Einmalig wie seine lange Herrschaft wurde auch seine Todesfeier. Er starb am 29. April 1495 in der Festung Marienberg an einem faustgroßen Blasenstein, der ihm seit Jahren schon schwere Schmerzen bereitet hatte. Die Eingeweide wurden in der Festungskirche beigesetzt, das Herz in einer goldenen Kapsel im Ebracher Zisterzienserkloster. Der übrige Körper wurde einbalsamiert. Als inneren Halt zimmerten Schreiner ein Gerüst. Sitzend wurde er von der Festung in den Dom getragen. Dabei hielt ein Diener den Kopf an einem Band aufrecht. Als letzter seines Geschlechts wurde Scherenberg mit Schwert und Schild beigesetzt. Tilman Riemenschneider schuf im Auftrag seines Nachfolgers Lorenz von Bibra 1496 das berühmte Grabdenkmal im Würzburger Dom.

Jerzy Staus

Literatur:
+Schubert, E[]. Rudolf von Scherenberg. In: Fränkische Lebensbilder, hg. Pfeiffer, Gerhard. Band 2, Würzburg: Schöningh 1968, S. 133-158.
Wittstadt, Klaus. Der Würzburger Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg (1466-1495). In: Frankenland: Zeitschrift für Fränkische Landeskunde und Kulturpflege 47 (1995), S. 76-82.