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Pater Engelmar (Hubert) Unzeitig (1911-1945)

genannt „Der Engel von Dachau“

Hubert Unzeitig wurde am 1. März 1911 in Greifendorf (Schönhengstgau im Sudetenland) bei Brünn im heutigen Tschechien geboren. Unter den fünf Kindern der Bauersleute Johann und Cäcilia Unzeitig war er der einzige Junge. Nachdem er die Volksschule besucht und ein Jahr als landwirtschaftlicher Gehilfe gearbeitet hatte, erkannte er seine Berufung als Priester. 1928 nahmen ihn die Mariannhiller Missionare in Reimlingen (Diözese Augsburg) in ihr Spätberufenenseminar auf, wo er 1934 sein Abitur ablegte und am 1. Mai 1935 in den Orden eintrat. In St. Paul bei Arcen in den Niederlanden absolvierte er sein Noviziat, in Würzburg studierte er Theologie und Philosophie. An seinem Studienort legte er am 1. Mai 1938 auch seine ewigen Gelübde ab und wurde am 6. August 1939 zum Priester geweiht. Nach Abschluss seines Pastoraljahres wirkte Pater Engelmar vorübergehend in Riedegg bei Linz in Österreich. 1940 übernahm er als Pfarrverweser die Pfarrei Glöckelberg im Böhmerwald.

Bald kam Pater Engelmar mit dem Naziregime in Konflikt. Als Religionslehrer musste er sich mit den verfänglichen Fragen von Hitlerjungen herumschlagen, Nazispitzel denunzierten ihn als Judenverteidiger und bezichtigten ihn „heimtückischer Äußerungen“ über Staat und Partei. Am 21. April 1941 wurde er in seinem Pfarrhaus von der Gestapo verhaftet und ins Gefängnis von Linz gebracht. Nach sechs Wochen Untersuchungshaft verlegten man ihn ins Konzentrationslager Dachau.

Trotz der unmenschlichen Lebensbedingungen mit körperlichen und geistigen Qualen, konnte Pater Engelmar im KZ ein religiöses Leben mit Eucharistiefeiern, Andachten und Gebeten führen. Ab Januar 1942 arbeitete er, meist auf den Knien und ohne jeden Schutz vor der Witterung, auf der berüchtigten Plantage. „Hauptpunkte seines Charakters waren Bescheidenheit, Ruhe und Verträglichkeit. Wenn die anderen klagten, schaute er nach oben zum Vater. Was auffiel, war seine Caritas, wenn er für andere arme Häftlinge bettelte. Mit großem Heroismus hielt er sich während des Sterbesommers und der Hungermonate 1942 aufrecht, oft zum Zusammenbrechen müde wie wir alle. Dabei blieb er stets der gleiche hilfsbereite und stille Mann“, erinnert sich der Mithäftling Hans Brantzen.

In der heimlichen Lagerseelsorge war Pater Engelmar voll Engagement am Werk. Vor allem kümmerte er sich um russische Mithäftlinge und konnte ihre Sprache bald fließend sprechen. Ein russischer Familienvater namens Peter lag ihm besonders am Herzen. Trotz aller Gespräche über Gott, die Peter mit Pater Engelmar führte, blieben ihm immer letzte Zweifel. Erst als der Pater sich entschloss, freiwillig in die Typhusblocks zu gehen, konvertierte Peter zur katholischen Kirche. Engelmars Tod erschütterte ihn furchtbar, er hatte ihn wie einen Heiligen verehrt.

Im Dezember 1944 brach in Dachau eine Flecktyphus-Epidemie aus, an der pro Tag über 100 Menschen starben. Die Kranken lagen oft tagelang im eigenen Kot, verfielen dem Wahnsinn und waren mit Läusen, Flöhen und Wanzen bedeckt. Pater Engelmar war einer der wenigen, die freiwillig in diese Todesbaracken gingen, 20 weitere Priester wurden zwangsverpflichtet. Unter größter Ansteckungsgefahr säuberte er die Baracken, wusch die zu Skeletten abgemagerten Kranken und spendete den Sterbenden die Sakramente. Oft sparte er sich für die Kranken die eigenen kargen Lebensmittelrationen vom Munde ab.

In seinem letzten Brief an seine Schwester Adelhilde-Regina verkündet er sein Vermächtnis: „Liebe verdoppelt die Kräfte. Sie macht innerlich frei und froh. Es ist wirklich in keines Menschen Herz gedrungen, was Gott für diejenigen bereithält, die ihn lieben. Freilich trifft auch sie die rauhe Diesseitswirklichkeit, aber die Strahlen der wärmenden Sonne der Liebe des allgütigen Vaters sind doch stärker – und triumphieren, denn unsterblich ist das Gute.“

Inzwischen war Pater Engelmar selbst schwer erkrankt. Am 20. Februar 1945 wurde er in die Krankenbaracke eingeliefert, Diagnose Flecktyphus im fortgeschrittenen Stadium. Am 2. März starb er. Sein Mithäftling Pfarrer Richard Schneider erreichte, dass er getrennt von den anderen Leichen verbrannt wurde und ließ die Asche von dem bei der BayWa beschäftigten Leo Pfanzer aus dem Lager herausschmuggeln. „Ich sah in Pater Engelmar – wie alle meine Mitbrüder – einen Heiligen“, sagte Pfarrer Schneider später.

Bereits Ende März 1945 konnte der aus Höchberg stammende Pfanzer die Asche den Mariannhiller Missionaren in Würzburg übergeben. In aller Heimlichkeit wurde sie am 30. März 1945 in der Gruft des Ordens auf dem Würzburger Hauptfriedhof beigesetzt. 23 Jahre später, am Buß- und Bettag (20. November) 1968, wurde die Urne in die erste Seitenkapelle der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche übertragen, wo auch eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. In der Predigt sagte Engelmars Mithäftling Pater Sales Hess: „Es verlangt die Gerechtigkeit, dass wir Priester von Dachau Zeugnis ablegen von einem Heroismus, der das allgemein menschliche Maß übersteigt. Er war nicht irgendeiner von den fast 3000 Geistlichen von Dachau, der in einer Welt ohne Gott sein Leben für Christus hingab. Pater Engelmar war ein Held der Caritas und ein Held apostolischen Eifers.“ Mithäftling Prälat Emil Kiesel ergänzte: „Pater Engelmar Unzeitig? Er war ein sehr lieber, wertvoller Mensch. Die Liebe in Person. Mehr kann ich nicht sagen. Das ist er gewesen: Liebe.“

Am 26. Juli 1991 eröffnete Bischof Dr. Paul-Werner Scheele das Bischöfliche Erhebungsverfahren zur Selig- und Heiligsprechung Pater Engelmars. Noch im selben Jahr wurde es von den bayerischen Bischöfen befürwortet. Postulator war der Mariannhiller Missionar Pater Wolfgang Zürrlein (Rom). Am 15. März 1997 wurde das Verfahren abgeschlossen und die Dokumente nach Rom überstellt. Seit dem Jahr 2000 zählt die katholische Kirche Pater Engelmar offiziell zu den Märtyrern des 20. Jahrhunderts. - Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hat in der Kilianiwallfahrtswoche 2009 bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI. Pater Engelmar den heroischen Tugendgrad zuerkannt hat. Damit steht einer baldigen Seligsprechung nichts mehr im Weg.

Jerzy Staus

Literatur:

+Reinhard Abeln, Adalbert Ludwig Balling. Speichen am Rad der Zeit: Priester in Dachau. Freiburg 1984.
+ U[.] Berens, Adalbert Ludwig Balling. Märtyrer der Nächstenliebe. Würzburg 1985.
+ Adalbert Ludwig Balling. „Mariannhiller Missionar: Pater Engelmar (Hubert) Unzeitig“. In: Moll, Helmut (Hg.)Zeugen für Christus: Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd.2. Paderborn u.a.: Schöningh 1999. S. 813-816.