Kilian von Würzburg (640-689)(Chilian, Killena, Cillíne) Die Zeugnisse von Kilians Leben sind zum Großteil legendenhaften Charakters. Zwei Passionserzählungen sind die Hauptquellen seiner Biographie: die passio minor ("Fuit vir vitæ venerabilis Killena nomine") aus dem achten und die passio maior aus dem neunten Jahrhundert. Sie wurden nach dem Muster der Wanderbischofserzählungen abgefasst und besitzen daher idealisierenden Charakter. Kilian entstammte demnach einer vornehmen irischen oder schottischen Familie und wurde um 640 geboren. Der Geburtsort lag entweder in Irland oder in Schottland und wird heute von Cloughballybeg bei Mullagh in County Cavan/Irland beansprucht. Irland und Schottland wurden zur damaligen Zeit synonym verwendet („Scotia quæ et Hibernia dicitur") Nach der Darstellung des 1995 eröffneten Mullagh Heritage Center hat Kilian seine christliche Unterweisung in Roscarberry in County Cork begonnen und in Touist in County Kerry abgeschlossen. Er soll sich zunächst in der Abtei von Hy (Iona) dem Orden des heiligen Kolumban angeschlossen haben und später dort Abt geworden sein. Andere Quellen dagegen berichten, Kilian habe in der Gegend von Kenmare seine eigene Abtei gegründet. Zeitweilig soll er auch als Einsiedler gelebt haben. Folgt man der Passion, war Kilian nicht Abt, sondern wurde zum Bischof geweiht. Diese Fassung erscheint wahrscheinlicher, da er bei seinem Papstbesuch als Bischof tituliert wurde. Er war keiner bestimmten Diözese zugeordnet, sondern „Reisebischof“ beziehungsweise „Regionalbischof“. Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen lehnt diese Darstellung jedoch ab, da die Organisationsstruktur der Bischofskirche den Iren fremd gewesen und statt dessen das Mönchstum prägend gewesen sei. Kilian gehörte zur sogenannten „irischen Mission“, die das Gebot der Nachfolge Christi in seiner radikalsten Form durch Heimatlosigkeit verwirklichen wollte. In Kilmakilogue soll er deshalb nach Europa aufgebrochen sein, so das Heritage Center. Mit elf oder zwölf Gefährten sei er nach Deutschland gekommen, in Aschaffenburg an Land gegangen und nach Würzburg weitergezogen. Hier soll er Herzog Gozbert zum christlichen Glauben bekehrt und zahlreiche Taufen seiner Untertanen durchgeführt haben. Möglicherweise war das Herzogsgeschlecht jedoch bereits christlich getauft und der Glaube war lediglich in Vergessenheit geraten. Geschätzt wurden die Iren vor allem wegen ihrer überlegenen Kenntnisse in Ackerbau, Holz- und Viehwirtschaft. Nach der Bekehrung von Gozbert soll Kilian mit seinen Gefährten nach Rom zu Papst Conon (Sommer 686 oder 687) gereist sein, wo er den Missionsauftrag für Thüringen und das fränkische Ostreich erhalten haben soll. Dann sei er wieder nach Deutschland gekommen und habe sich, gemeinsam mit dem Priester Kolonat (Colman) und dem Diakon Totnan (Tadhg), von den anderen getrennt. Demnach wäre Kilian im Herbst 686 oder 687 wieder in Würzburg angekommen. Die Reise könnte jedoch auch vor seinem Würzburg-Aufenthalt gelegen haben. In Würzburg sollen Kilian und seine Gefährten 689 (697?) ermordet worden sein. Mutmaßlich sei von Gozberts Gattin/Lebensgefährtin Gailana, möglicherweise jedoch vom Herzog selbst die Enthauptung der Missionare angeordnet worden, weil Kilian sich in die Eheangelegenheiten eingemischt hätte. Diese Darstellung ist jedoch nicht gesichert, da derartige Topoi typisch für hagiografische Erzählungen der iroschottischen Tradition sind. Als Beweis für seine Bekehrung zum Christentum sollen die Missionare von Gozbert gefordert haben, sich von seiner Lebensgefährtin Gailana zu trennen, der Witwe seines Bruders. Ob die beiden verheiratet waren, ist unklar. Dieser soll die Forderung erfüllt haben, Gailana aber die Missionare aus Rache ermorden haben lassen, als der Herzog auf einem Kriegszug war. Die Leichen seien daraufhin verscharrt und darüber sei ein Pferdestall errichtet worden, den die Pferde jedoch verschmäht haben sollen. Die Leichen sollen unversehrt ausgegraben, die Mörder und ihre Anstifterin im Wahnsinn gestorben, der Herzog ermordet worden sein. Das Volk habe darin die Kraft der neuen Religion gesehen und sich zum Christentum bekehrt. Die Bibel, die die Missionare ihren Mördern entgegengehalten haben sollen, wird in der Würzburger Universitätsbibliothek aufbewahrt. Die Zeugnisse von Kilians Wirken sind spärlich. Er hat in Würzburg kein Kloster gegründet. Die deutsch-irische Mittelalterhistorikerin Dr. Dagmar O‘ Riain–Raedel von der Universität Cork bestreitet sogar, dass Kilian jemals in Würzburg gewesen ist, als Bischof gewirkt und den Herzog getauft hat. Die Erzählung, dass die Reliquien der Märtyrer unter einem Pferdestall bestattet wurden, spricht auch nicht für eine herausragende Verehrung des Missionars. Sein Kult hat erst mit dem Bonifatiusschüler Burkhard von Würzburg (+ 754) den entscheidenden Aufschwung genommen. Nach der Translation der Gebeine 743 in die Kirche „Unsere liebe Frau“ und am 8. Juli 752 (753?) in die von Burkhard errichtete Salvatorkathedrale, erfolgte 788 oder 807 Kilians Erhebung zum fränkischen Reichsheiligen und die Überführung der Reliquien in den ersten rechtsmainischen Dom. Heute ruhen die Reliquien der drei Heiligen im Kiliansschrein in der Kiliansgruft der Neumünsterkirche, die Häupter werden während des Jahres in einem Bergkristallschrein im Altar des Doms aufbewahrt. Außer in Würzburg und Mullagh wird Kilian auch in Paderborn verehrt. Die heiligen Hathumar und Badurad, Paderborns erste Bischöfe, hatten den Kult zusammen mit Reliquien des Heiligen von Würzburg mitgebracht. Im frühen Mittelalter gab es im Bistum Paderborn mehr Kilianskirchen als in der ”Kiliansdiözese” Würzburg selbst. Jerzy Staus Festtage: 8. Juli ( Würzburg, Wien und Irland), 25. März (Paderborn). Patron der Tüncher, Helfer bei Rheuma und Gicht. Literatur: +Klaus Wittstadt. Sankt Kilian: Leben - Martyrium – Wirkung. Würzburg 1989. +Würzburger Diözesangeschichtsblätter 51 (1989), 51 Ergänzungsband (1989) und 52 Ergänzungsband-Nachtrag (1990). +Klaus Wittstadt und Wolfgang Weiß (Hg.). Der Frankenapostel St. Kilian. In: Die Christianisierung Frankens und die Anfänge des Bistums. Strasbourg: Edition du Signe 1996. Museum: Mullagh Heritage Center, Mullagh/Republic of Ireland Öffnungszeiten: Ostern bis Ende Oktober geöffnet von Montag bis Samstag von 10 Uhr bis 18 Uhr, Sonntag von 12.30 Uhr bis 18 Uhr. Telephon: +353 46 42433, Fax : +353 46 42433. |