Dem Nationalsozialismus widerstehen: Matthias Ehrenfried (1871-1948)Bischof von WürzburgMatthias Ehrenfried gilt als Widerstandsbischof gegen das Dritte Reich und als urwüchsiger Volksbischof. Er wurde am 3. August 1871 in Absberg in Mittelfranken (Bistum Eichstätt) geboren und stammt aus bäuerlichen Verhältnissen. Daher wählte er später auch Ähren und Sichel als Symbole seines Bischofswappens. Nach einem glänzenden Abitur 1892 am Eichstädter Humanistischen Gymnasium schickte ihn Bischof Franz Leopold von Leonrod zum Theologiestudium ans Collegium Germanicum nach Rom. Dort erwarb er Doktorate in Philosophie und Theologie. Am 28. Oktober 1898 zum Priester geweiht, verbrachte er ein Kaplansjahr in Hilpoltstein, bevor er 1900 Dozent für Dogmatik in Eichstätt wurde. 1906 ernannte man ihn zum Professor für NT und Apologetik und 1907 zusätzlich für Homiletik. Von 1912 bis 1920 redigierte er die Zeitschrift „Die christliche Schule“, von 1920 bis 1924 die „Blätter für den katholischen Klerus“. Als erster nicht aus der Diözese stammender Bischof wurde Ehrenfried von der Bayerischen Staatsregierung zum Bischof von Würzburg nominiert und am 30. September 1924 von Papst Pius XI. ernannt. Trotz der 24 Jahre Dozententätigkeit sprach Ehrenfried mit klaren Worten und so volkstümlich, dass seine Predigten vereinzelt als "vulgär" kritisiert wurden. Von seinen Ansprachen ging eine stark mitreißende Wirkung aus. Die Worte "Euch gehört mein Herz", mit denen er die Gläubigen bei seinem Einzug am 27. November 1924 grüßte, hat er bis zuletzt durch sein Handeln bestätigt. Zwischen 1924 und 1933 galt sein Schaffen vornehmlich dem geistlichen Aufbau des Bistums: 1926 errichtete er das Exerzitienheim Himmelspforten, 1927 das Kilianeum Miltenberg, 1931 hielt er eine Diözesansynode ab, die die Grundlage für zwei Jahrzehnte der Seelsorge im Bistum legte. Ehrenfried wollte „die Pfarrfamilie neu beleben“, das katholische Vereinsleben ausbauen und forderte die Priester zu sozialem Engagement auf. Er widmete sich dem Ausbau der Seelsorge und dem Priesternachwuchs. Während seiner Amtszeit wurden rund 100 Kirchen gebaut oder erweitert, fast 1000 Priester hat er geweiht und über einer Viertel Million Kindern die Firmung gespendet. Gemäß seinem Wahlspruch "Ehre und Friede für Gott und für die Welt" arbeitete er für die „zeitgemäße Ausbreitung des Reiches Gottes“, wie in seinem ersten Fastenhirtenbrief von 1925 angekündigt. Kein Verhältnis habe er jedoch zur liturgischen und zur Jugendbewegung gefunden, so Kirchenhistoriker Klaus Wittstadt, auch neuen religiösen Gemeinschaften, zum Beispiel der Schönstatt-Bewegung, sei er kritisch gegenübergestanden. Sein pastoraler Ansatz sei auf die Hierarchie der Kirche zentriert gewesen. Der nach außen harmlos und unauffällig wirkende Mann war einer der bedeutendsten Widerstandsbischöfe. Schon vor 1933 wandte sich Ehrenfried klar gegen die nationalsozialistische Ideologie. Im Fastenhirtenbrief 1932 forderte er, dass die letzte Autorität für einen Christen Gott sein müsse. Er rechnete schon damals wegen des nationalsozialistischen Anspruchs auf Menschenführung mit einem allmählichen Ausschalten der Kirche. 1933 wurde er von den Nazis erstmals mit „Schutzhaft“ bedroht. Nur wenige Wochen nach der Machtergreifung Hitlers entbrannte in Würzburg ein harter Kampf der Partei gegen die Kirche. Ehrenfried selbst war heftigen Anfeindungen des Würzburger Gauleiters Dr. Otto Hellmuth ausgesetzt. Im März 1933 wurde der Pfarrer von Frammersbach, Georg Porzelt, als erster Priester der Diözese verhaftet – ihm sollten Hunderte von Geistlichen ins Gefängnis, KZ und bis in den Tod folgen. In keiner anderen deutschen Diözese wurden so viele Priester verhaftet wie in Würzburg. Allein beim Besuch Hitlers in Würzburg 1937 wurden 141 Priester wegen angeblicher "Unterstützung von Juden" inhaftiert. Ehrenfried habe in der Diözese Widerstandsgeist erzeugt, so Klaus Wittstadt, der sich in der Zahl der verfolgten und inhaftierten Priester zeigt, aber auch in der Entwicklung des passiven Widerstands kirchlicher Jugendkreise. Daher sei die Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten in Würzburg härter verlaufen als anderswo. 1934 und 1938 stürmte dreimal brauner Mob das Bischöfliche Palais. Der Verhaftung entging Bischof Matthias nur, weil die NSDAP zu dieser Zeit keinen Märtyrer brauchen konnte. Er protestierte indes weiter gegen alle Repressionen gegen die Kirche und kritisierte auch die Zugeständnisse der deutschen Bischöfe im Reichskonkordat von 1933. 1936 unternahm er im Fastenhirtenbrief – so der NS-Regierungspräsident –"teils versteckte, teils offene Angriffe gegen die nationalsozialistische Auffassung vom Christentum". Er unterstützte den Schriftleiter des „Volksblatts“, Heinrich Leier, in seinem Kampf gegen das Regime. Als einziger Oberhirte ließ er bei der Wahl 1933, den Wahlaufruf der bayerischen Bischöfe verlesen. Ehrenfried kritisierte die NS-Regierung als „Geißel Gottes“, ihre Vertreter als „Mächte der Unterwelt“ und rechnete mit dem sogenannten positiven Christentum des Parteiideologen Alfred Rosenberg ab. 1935 trat er für die theologische Fakultät ein, die geschlossen worden war. Die Aufhebung der Benediktinerabtei Münsterschwarzach brandmarkte er als „staatliches Unrecht“. Immer wieder warnte er vor "falschen Propheten". Dokumente aus der NS-Zeit belegen, dass Ehrenfried scharf überwacht wurde. Mit tiefster Erschütterung erlebte Bischof Matthias, wie Würzburg am 16. März 1945 in Schutt und Asche sank. Im Lengfelder Pfarrhaus und dann in Kirchschönbach fand der obdachlose Bischof eine erste Unterkunft. Bereits einen Tag nach dem verheerenden Angriff bestätigte er die völlig zerstörte Stadt als Sitz und Mittelpunkt der Diözese. Im Kloster Oberzell bezog er im April 1945 eine Notwohnung. Von dort aus sorgte er für seine Gläubigen und führte Verhandlungen mit der Militärregierung, um die Not der Menschen zu lindern. In seinem Hirtenwort zur neuen Zeit rief er zur positiven Gestaltung der Zukunft und zum Dienst am Nächsten auf. In den Jahren des Kampfes ungebrochen, begannen seine Kräfte im Frieden nachzulassen. Von einer schweren Krankheit erholte er sich nicht mehr: Am 30. Mai 1948 starb der Bischof im ausgelagerten Juliusspital in Rimpar. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Nähe der Gebeine der von ihm so verehrten Frankenapostel in der Neumünstergruft. In Würzburg sind eine Hauptstraße sowie das Matthias-Ehrenfried-Haus als katholisches Veranstaltungszentrum nach ihm benannt. Jerzy Staus Literatur: Domarus, Max. „Bischof Matthias Ehrenfried und das Dritte Reich“, Würzburg: Echter-Verlag 1998. Wittstadt, Klaus. Ein Bischof in schwerer Zeit: Das Wirken Bischof Matthias Ehrenfrieds im Dritten Reich. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 57 (1995), S. 407-420. Wittstadt, Klaus. Ehrenfried, Matthias (1924-1948) Bischof von Würzburg. In: Gatz, Erwin (Hg.). Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803 bis 1945. Berlin: Ducker und Humblot 1983, S.164-165. |